Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 658

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Die Juden bei Wilhelm Raabe
Date
1910-01-01
Page
Seite 658 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829827-2829834-2890358--38280-2890397
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

653 Die Juden bei Wilhelm Raabs. kann, so muß die zweite schon aus diesem Grunde, ganz abgesehen von allen anderen Gründen, entschieden verneint werden. Jeder, derRaabe kennt, weiß, daß er immer und überall dem Grundzuge seines Wesens nach, auf Seite der Unterdrückten und Verachteten steht, daß er stets für alle, die durch die Schuld der Gesellschaft oder eigenen Leichtsinn gesellschaftlich gesunken sind, mit der größten Milde und Wärme eintritt, daß er die Gefallenen menschlich, versöhnlieh betrachtet. Man erinnere sich an die Tänzerin Rosalie (Chronik ä. Sperlingsgasse), Röschen Wolke (Wer kann es wenden?), an die schöne Marie Häusler (Schüdderupp), das Rotkäppchen (Im alten Eisen), Marie Erdener (Fabian und Sebastian), Paul Ferrari (Deutscher Adel), Felix Lippoldes (Pfisters Mühle) und an Helene Trublet (Hungerpastor). Aber nicht nur einzelne Persönlichkeiten, auch unterdrückte Völker finden an ihm ihren Verleidiger, so die Niederländer, die Wenden und daher auch die Juden. Ich erinnere in bezug auf die ersteren an »Die schwarze Galeere« und auf die zweite an »Die Härnelschen Kinder«, die etwa gleichzeitig mit dem Hungerpastor geschrieben worden sein mögen. Diese erzählen die Rache eines verachteten, mißhandelten Wenden an der Stadt Hameln. Die Geschichte spielt im Jahre 1259. »Grimmig und nachhaltig war«, heißt es hier, »der Haß des deutschen Volkes gegen diese fremden Stämme (die Wenden) . . . Bis in das 18. Jahrhundert hinein lassen sich seine Spuren verfolgen; bis in das 18. Jahrhundert hinein nahm keine deutsche Zunft und Gilde einen Wenden in ihre Mitte auf. Niemand nahm sie gastfreundlich unter sein Dach, Niemand setzte sich mit ihnen zu Tisch; »wendischer Hund« war im 13. Jahrhundert das ärgste Schimpfwort, das ein germanischer Christ dem andern bieten konnte. Unter den leichtfertigsten Gründen ünd Rechtstiteln wurden wendische Gemeinden aus ihrem Besitze getrieben« (Gesamm, Erz. II. Bd. S. 15, 3. A., Berl.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.