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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 654

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Die Juden bei Wilhelm Raabe
Date
1910-01-01
Page
Seite 654 (sequence 14)
Language
German
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654 Die Juden bei Wilhelm Raabe. scheerer Snorro Skalholt aus Island und der Famulus entführen also heimlich des Nachts den Leichnam, allerdings nicht ganz unbemerkt, aber ungestört, da man glaubt, der Teufel hole Gedelöcke und beerdigen ihn auf dem Garnisonsfriedhof, wobei sie jedoch von dem Küster der Trinitatis- Jcirche belauscht werden. Eine Untersuchung zwingt den in Kopenhagen zurückgebliebenen David Bleichfeld zum Geständnis und die Geistlichkeit setzt durch, daß Gedelöcke, da er nicht als ein gläubiger Christ, sondern als ungläubiger Jude gestorben sei, auch nicht ein christliches, sondern ein Eselsbegräbnis gebühre. So werden denn die Ältesten der jüdischen Nation vor den Polizeimeister beschieden und eine Menge ihres Volkes aus ihren Häusern, Schulen und Synagogen zusammengeholt. Auch müssen sie die Trauerkutschen zahlen. Der Scharfrichter zu Pferde und seine •Knechte mit dem Schinderkarren beschließen den Zug nach dem Garnisonsfriedhofe, wo die Ältesten der jüdischen Nation den Toten ausgraben müssen, um ihn auf dem Judenkirchhofe zu bestatten. Nur auf vieles Flehen und Bitten wird statt des Schinderkarrens der jüdische Leichenwagen zugestanden. Der Rabbi als führnehmster Leidtragender muß hinter dem Wagen gehen, dann folgt die andere jüdische Menge nach dem Alfer, Miliz und Polizeibeamte zur Seite, daß keiner ausweiche. So berichtet des־ nach Frederikhal! gekommene Famulus. Aber ein zweiter Mann erscheint als wandernder Krämer in der Festung, Henrich Israel, weiland der Juden Vorsinger in Kopenhagen. »Gott Abrahams und Jakobs1), jammert dieser und erzählt was weiter geschehen. Auch die Juden wollen den toten Curator nicht auf ihrem Friedhofe, sintenmalen er doch nicht »ein Jüd<׳ war. Zunächst wird von ihnen der Vorsinger seines Amtes entsetzt und aus der Gemeinschaft des Volkes gestoßen, weil er durch seinen Umgang mit Gedelöcke doch x) Zu diesem Schwur, sowie zu den anderen Israels: Gott Abrahams, Gott meiner Väter, vgl. S. 650.

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