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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 653

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Die Juden bei Wilhelm Raabe
Date
1910-01-01
Page
Seite 653 (sequence 13)
Language
German
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Die Juden bei Wilhelm ßäabe. 6&T nemark Friedrich IV., der jeglichen Untertan für das Heil seiner Seele selber sorgen ließ. Ihm war es gleichgiltig,. wenn der Mann seine Andacht mit Geberden, Neigungen des Hauptes verrichte und in einem leiiierien Kragen, welchedem reformierten christlichen Ritus und Zeremonial ein Greuel seien. Gedelöcke aber liegt zu seinem Glück auf dem Sterbebette, als Christian VI. den Thron besteigt, denn nun hat die Duldung ein Ende. Er hat zwei Ärzte berufen י lassen, seine Frau Meta den Pastor Hieronymus Moekel von der Trinitatiskirche. Im Krankenzimmer sitzt der Juden Versänger, Meister Henrich Israel neben dem Kranken und! muß ihm psalmoäieren, wie Frau Meta klagt. Ihr Mann will kein christlich Wort mehr annehmen und pflegt mit den Rabbinern und jüdischen Schriftgelehrten mehr Gemeinschaft als mit seinem ehrlichen Eheweibe. Der fanatische Pastor fordert die Doktoren auf zu sagen, ob Gedelöcke mentis compos, bei gesunden Sinnen sei. Diese aber meinen, es gebe in dieser erleuchteten Stadt Kopenhagen kaum einen zweiten gleich hellen Kopf. Gedelöcke hat sich aber gar nicht zum Judentum bekehrt, wenn er sich auch in seinen letzten Stunden das Buch »Koheleth«, welches wir den Prediger Salomonis nennen, vorlesen läßt; er ist als ein Mann des Zeitalters der Aufklärung ein Deist und stirbt mit den Worten: »Ich weiß, daß ein allmächtiger Gott ist«. Kurz vorher hat er seinen getreuen Famulus David Bleichfeld, der beiläufig gesagt, kein Jude ist, wie man aus dem Namen schließen könnte, einen versiegelten Brief an seinen Freund, den Oberst Benedictus von Knorpp anvertraut, der diesem sofort nach dem Abscheiden Gedelöckes zu übergeben ist. Der Oberst, eben von Altona angelangt, soll schon am zweitfolgenden Tage mit seinem Regimente nach Frederikshall abgehen. In dem Briefe aber ist die Bitte ausgesprochen, den Freund still und ohne Aufsehen zu begraben. Eile tüt not, da auch der Herr Oberprediger Moekel seine Anstalten getroffen hat. Der Oberst, sein Re^imentsfeld-

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