Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Juden bei Wilhelm Raabe
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 652 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829827-2829834-2890358--38274-2890391- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
652 Die Jaden bei Wilhelm Raabe. Sprüche und Erzählungen der jüdischen Seher und Profeten mit den Ereignissen, den Empfindungen, den Hoffnupgen und Befürchtungen, den Freuden und Schmerzen des eigenen Daseins«. Da sein Nachbar, der wackere Tischler Teilering auf dem Tode liegt, so hat er das Buch Hiob aufgeschlagen; einige Verse werden angeführt. Es ist nicht das einzige Mal, daß Raabe die Bibel anführt; er kennt sie wie nur ein Protestant oder frommer Jude; sie ist auch ־für ihn das Buch der Bücher. Sind in den bisher betrachteten Schriften, mit Ausnähme des »Frühlings«, Juden nur episodisch erwähnt, so nehmen sie einen sehr beträchtlichen Raum ein in den nun folgenden, ja hier ruht sogar die ganze Handlung oder ein Hauptteil auf ihren Vertretern. Es sind dies: die barocke Erzählung »Gedelöcke«, der Hungerpastor, Hollunderblüte, Salome und Höxter und Corvey. Gedelöcke erschien zuerst in Westermanns Monats- :heften (Juni 1866), sodann in der Sammlung »Regenbogen« 1869 und zuletzt im 2. Bande der »Gesammelten Erzählangen«. Die Erzählung berichtet, wie infolge religiöser Unduldsamkeit in Kopenhagen zu Anfang des 18. Jahrhunderts der Kurator Jens Pedersen Gedelöcke mehr als einmal begraben wurde. »Der heutige lichte Tag, so über alle Maßen duldsam und ohne Vorurteile«, sagt der Erzähler sarkastisch in der Einleitung, »würde es nicht gelitten haben«. Ober G. gehen in der Stadt die sonderbarsten Gerüchte um: er streife allgemach sein Christentum ab, wie die Schlange ihre Haut, er verkehre zu seinem größten Seelenschaden nur noch mit den verstockten Juden, ihren Lehrern, Rabbinern und Büchern; zum Tische des Herrn sei er schon seit Jahren nicht mehr gegangen, den Sonntag halte er nicht mehr heilig, wohl aber der Juden Sabbath und vor dem Fleische der Schweine habe er einep unchristlichen Ekel. Nun regierte damals in Dä~