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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 651

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Die Juden bei Wilhelm Raabe
Date
1910-01-01
Page
Seite 651 (sequence 11)
Language
German
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Die Juden bei Wilhelm Raabt*. 651 Wert. Könnte ihn doch, wie mit Recht gesagt worden ist, ein Kind lesen, wenn es ihn verstünde. Eine unfreundliche, allein keineswegs gehässige Bemerkung könnte man darin finden, daß auf das Haus der Familie von Poppenhagen, die vollständig in den Händen eines schurkischen Verwalters ist, »mehr als ein schwarz״־ haariger, krummnasiger Geschäftsmann die scharfen semitischen Augen gerichtet hielt, es lastete auch auf seinen Ziegeln manch eine nicht unbeträchliche Schuld«, aber die Annahme liegt wieder in der Natur der Sache und niemand wird verlangen, daß jeder jeden Juden als untadelig be~ finde. Im 20. Kapitel wird die Rettung einer aus Vater, Mutter und zwei erwachsenen Töchtern bestehenden jüäi~ sehen Familie erzählt, die durch den schurkischen Baron von Poppen den Händen des Pöbels entrissen wird, und die Stellung des Erzählers ergibt sich aus der Darstellung: »Die Familie hatte das Unglück ... bei der Rückkehr von einem Ausflug unter einen Haufen betrunkener Soldaten, Handwerksburschen und liederlicher Dirnen zu geraten. Dieser Haufe benutzte sogleich die Gelegenheit, die harmlosen Lusiwandler aufs gröblichste zu beleidigen und zu beschimpfen. Die Polizei schien anderswo beschäftigt zu sein . . . und keiner wehrte es dem wütenden Haufen,, von Worten zu Handgreiflichkeiten überzugehen. Am meisten waren die beiden armen Mädchen zu bedauern, die alle Qualen der Hölle erduldeten . . .« Baron von Poppen rettet sie, wie gesagt, und weiß diese Handlung seiner braven, aber ihn wohl kennenden Tante Juliane gegenüber aufs beste auszunützen. Eine der edelsten Gestalten Raabes nicht nur in diesem Roman ist »der Sternseher« Heinrich Ulex. Dieser liest neben dem Enchiridion des Epiktet ebenso gern die Bibel. So blättert er (21. Kap.) an einem Sonntagmorgen »in dem weis״ heitsvollen Buche, ließ die Poesie des sonnigen Orients im winterlichen Norden emporsteigen und verknüpfte die

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