Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 597 (sequence 10)
- Language
- German
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Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter. 597 sondern im Volk den Eifer für die Erhaltung des Gesetzes wach zu erhalten. Wie abgrundtief erscheint uns dagegen das Karäertum, daß das »Suchen in der Schrift« zwar eindringlich vorschreibt, aber am Buchstaben haften bleibt und, indem es von jeder Überlieferung sich freimachen will, in trockene Verknöcherung und eine gewissermaßen mechanische Auslegungsmethoäe verfällt, da es für die wirklichen Bedürfnisse des Volkes kein Verständnis hat. Wir haben bisher Saädja in seinen mannigfachen Kämpfen verfolgt, die ihn uns als den Fels erkennen Hessen, an dem die heftigsten Angriffe gegen die Überlieferung erfolglos zerschellten. Auf ihn mußten sich naturgemäß die Augen der maßgebenden Persönlichkeiten in Sura richten, als es galt, dieser alten Pfiegestätte der Wissenschaft wieder ein Oberhaupt zu geben, das ihr neues Leben einhaücheh sollte. Hatte man doch zuletzt einen ehemaligen Weber, R. Jomtob, mit der Gaonatswürde bekleidet aus Mangel an geeigneten Gelehrten, und nach dessen Tode, wie schon vorher, einen Pumbeditaner eingesetzt, um so dem Streben des ehrgeizigen Kohen Zedek, alleiniger Gaon zu sein und die suranische Hochschule eingehen zu lassen, die Bahnen zu ebnen1). Es ist jedoch möglich, daß der Exilarch David ben Sakkai, um das Gaonat durch Vereinigung seiner Machtfülle in einer Hand nicht noch mehr an Einfluß zu stärken, nach dem Grundsatz »divide et impera« handelte und darum auch für Sura wieder ein Schuloberhaupt ernennen wollte. Es war ein würdiger Mann, den der Exilarch zu Rate zog, Nissi Naharwani, der den Frieden zwischen David ben Sakkai und Kohen Zedek herbeigeführt hatte2), und selbst wegen seiner Blindheit die Würde nicht hatte arinehmen wollen?). Nissi’s Name hatte einen guten Klang, da er als Resch Kalla die nächste Anwartschaft auf das Gaonat hatte, und ‘) Vgl. Scherirabrief, ed. Neubauer, S. 39 unten. 2) Vgl. Neubauer a. a. O. S. 79. 8) Vgl. Neubauer a. a. O., 11, S. 80.