Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 596 (sequence 9)
- Language
- German
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596 Beiträge zur Geschichte und Literatar im gaonäischen Zeitalter. Mondes den Beginn des neuen Monats rechnen wollen und auch beweisen wollten, daQ die Lehrer der Mischna es so hielten. Dem gegenüber führt Saadja aus, daß gerade das Vorfahren der Synhedrialmitglieder gegenüber den Zeugen, die sie oft einen Tag hinhielten, der schlagendste Beweis gegen diese Behauptung sei'). —• Ferner sucht Saadja das Verfahren der Talmudlehrer bei der Untersuchung über die Mondphasen unddie Weitermeldung des Monatsbeginns zuerst durch Feuerzeichen, dann durch Boten, als die Feststellung und Beweisführung für ihre richtige Berechnung hinzustellen2). Wenn etwa unsere Gegner einwenden wollen, daß die Wahrheit solcher Beweise nicht bedürfe, so erwidern wir darauf: schon die Bibel giebt uns Beispiele davon, daß die Wahrheit noch durch Beweise in Gestalt von Wundern gestützt wurde; so, beispielsweise, als sich die Erde öffnete, um Korah und seine nächste Umgebung zu verschlingen, als Feuer vom Himmel kam, Regen außerhalb der gewöhnlichen Zeit fiel u. a. m. Da es nun zur Zeit unserer Weisen keine Wunder mehr gab, so bediente man sich der umfassenden und klaren Berechnung, und durch Entgegenkommen gegen das Volk suchte man sie geneigt zu machen, um dem, was sie entgegennehmen sollten, die erwünschte Aufnahme zu ermöglichen. Die hier von uns in extenso gegebenen Ausführungen Saadja’s zeigen uns zugleich, wie hoch dessen und des von ihm vertretenen Rabbanitentums Auffassung über der der Karäer stehen. Da erscheint die von diesen so bitter befehdete Tradition nicht als die Fessel für die freie Forschung und die tätige Mitarbeiterschaft des Volkes, sondern, den veränderten Zeitverhältnissen Rechnung tragend, sucht der Gelehrte das Volk in seiner Gesamtheit zu tätiger Teilnähme heranzuziehen und so die Weisheit der Lehrer nicht als etwas Übernatürliches und Wunderbares darzustelien, ף Vgl. S. 33, Z. 25 ff. a) Vgl. ebendort Z. 1 - 10.