Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 496 (sequence 6)
- Language
- German
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496 Besprechungen. Gegen die Erklärung R. Papas läßt sich demnach nichts von entscheidender Bedeutung‘ Vorbringen. Welche Erklärung hat ihr E. entgegeßzüsetzbtx? Vön der Voraussetzung ausgehend, daß die Kenntnis der Propheten wenig verbreitet war und »der gewöhnliche Mann sie' kaum geläufig lesen konnte« schließt er weiter: »Wer aber in den Propheten bewandert war, bei dem durfte eine gewisse Verträutheit mit den religiösen Dingen vorausgesetzt werden, dem durfte man auch die Kenntnis dbr Gebete Zutrauen. In dem Satze: המפטיר בנביאי הוא פורס על'שסע. haben wir schwerlich ein Gesetz zü erblicken, sondern weit eher' eine Gebrauchsanweisung : Wer in den Propheten zu lesen versteht, den läßt man getrost als Vorbeter fungieren. Ist er minderjährig, so entspricht es nicht der Ehre der Gemeinde, daß er selbst fungiert, aber die Personen, denen er sein Wissen verdankt, sein Väter oder sein Lehrer, treten däfin an seiner Stelle hin«. Gegeh diese Erklärung haben Blau sowohl, wie auch Liber verschiedenes vorgebracht, darunter manches, das so nähe liegt, daß man staunen muß, wie es E. entgehen konnte; So z. B., daß ja die Misch na auch anordhet: והלא נושא את כפיו; um den Priesfersegeh sprechen zu können, mußte man doch nicht in den Propheten bewandert sein, überdies weiß man“ ja, daß die Priester eifrig bestrebt wären, sich die nötigen Kehhthisse und Fähigkeiten anzueignen, um ihre Funktionen tadellos versehen zu können. Ich halte die Erklärung für verfehlt, zunächst deshalb, weil die Richtigkeit ׳ihrer Prämisse mindestens sehr fraglich ist. Wir haben gesehen, daß in den Schulen die Propheten gelehrt würden und sie schon den Kindern geläufig waren. Für jedermann galt die Riddüschin 30 a, Aboda sarä 19 b im Namen des R. Josua b. Chananja, bezw. des R. Tauchrnn b. Chanilai überlieferte Weisung: לעולם ישלש אדם שנותיו שליש במקרא שליש במשנה וכח; auch hier'• ist unter מקרא die ganze Bibel zu verstehen. Ferner heißt, wie bemerkt, המפטיר nicht: wer die Propheten zu lesen versteht; dafür würde man ד1יודע להפטיר sagen. Auch war es nicht nötig, eine »Gebrauchsanweisung* auf Umwegen zu geben; die Mischnalehrer hätten sich nicht geniert, einfach zu erklären: wer פורם על שמע sein soll, muß däs'und jenes wissen, genau so wie sie Taanit 16a die Kenntnisse dessen normiert haben, der beim Fastengottesdienst die Funktion des Vorbeters ausüben soll. Unwahrscheinlich ist auch, daß es nötig war, von den Fähigkeiten des Kindes auf die des Vaters oder Lehrers zu schließen; das konnte höchstens bei Fremden der Fall sein. Endlich sie in eiiie Zeit zu verlegen, aus welcher keine sichere Tradition1 in Bezug auf das Ausmaß des Lehrstoffes in den Schulen vorhanden'ist; Vgl. übrigens' auch Liber.