Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 494 (sequence 4)
- Language
- German
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494 Besprechungen. zu bedenken geben : Den ursprünglichen Sinn von פרס על שמע das Sch’rna alternierend vortragen, hat E. aus einer Bemerkung des R. Nechemja geschlossen, der (nach dem Texte des Verf.) sagt: דוח הקדש שרתה על ישראל ואמרו שיירה כבני ארם הפורמין על שמע בביר,"ה וכר,, Diese Art des Sch’ma-Vortrages war also zur Zeit R. Nechemja’s, eines Zeitgenossen R. Meirs und R. Jehudas, noch üblich, denn aus dem Leben hat er ein Beispiel genommen, um den Vorgang beim Vortrage des Liedes am Meere zu veranschaulichen. Damals hatte demnach der Ausdruck פורם על שמע noch seine ursprüngliche und eigentliche Bedeutung — und über den Gegensatz sollten R. Meir und R. Jehuda nicht mehr im Klaren gewesen sein? Da scheint es mir doch einleuchtender anzunehmen, daß über das Verfahren der Leute von Jericho zwei Überlieferungen vorhanden waren, die in: R. Meir und R. Jehuda ihre Vertreter gefunden haben; beide Überlieferungen hatten eines gemeinsam, daß nach ihnen כרך את שמע niit פרס שמע nichts zu schaffen hat. Die Aufforderung, die Funktion eines פורס על שמע zu über■־ nehmen, konnte, wie E. ausführt, manchen in Verlegenheit bringen, »Aber auch die Gemeinde mußte sichergestellt werden, daß nicht jeder beliebige sich an die Ehre herandränge, sondern daß, wer damit beauftragt wurde, auch eine gewisse Gewähr dafür bot, daß seine Fähigkeiten ausreichten« (S. 11). Hier glaubt E. den Schlüssel gefanden zu haben »zur Lösung eines Rätsels, das seit Jahrtausenden seiner Entzifferung wartet« Gemeint ist die Mischna Megilla IV, 5 : המפטיר בנביא הוא פורם על שמע. »Was haben Haftara und Schema mit einander zu tun? Warum wird ferner die Funktion beim frühem gottesdienstlichen Akt von dem spätem abhängig gemacht?» Freilich hat dieses Jahrtausende alte Rätsel vor mehr als anderthalb Jahrtausenden eine Lösung gefunden: מאי טעמא, fragt die Gemara Megilla 24a kurz, worauf als erste Antwort folgt: דב פפא אמד משום כבוד, d. h. man hat bei der Verteilung der Funktionen von vornherein auf den מפטיר בנביא Rücksicht genommen und ihm durch die Übertragung ehrenvoller Funktionen einen Ersatz dafür geboten, daß er eine minderwertige Handlung übernommen hat. Aber E. meint, diese Erklärung sei »unmöglich«. Zunächst wäre dann der Nachsatz *ו־א־ם היה קטן אביו או רבו עוברין על ידו nicht recht zu verstehen. »War es üblieh, daß Kinder die Haphtara vortrugen, so brauchte man diesen doch keine Entschädigung dafür einzuräumen, Ehre genug für sie, wenn sie öffentlich den Propheten lesen durften.« Dieser Einwand kann nicht entscheidend sein. Wir haben keinen Beleg dafür, wie man in alter Zeit über diese Frage gedacht hat. משום כבוד selbst bedarf noch der Erklärung. Nach R. Nissim (ד׳ן) ist diese Antwort des R. Papa so zu;