Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Emanzipationsbewegung in Bamberg
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 475 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829827-2829832-2890075--38097-2890183- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Emanzipationsbestrebungen in Bamberg. 475 Ende seyn! — Ihr sehr werthes Schreiben vom 11. d. machte mir gestern, den Empfangstag, zu einem vergnügten Sabbath. Es thut dem Herzen wohl, unter der großen Menge der Inhumanen zuweilen auf Männer zu stoßen, die es verdienen, Priester der Humanität genannt zu werden!« Die Stimme Rosenfeld’s verhallte damals wie die eines Predigers in der Wüste. Aber schon im Jahre 1845 regnete es wieder Petitionen aus fast sämtlichen Gemeinden des Königreiches auf das Haupt der Ständekammer1). Bei den darauf im Mai 1846 stattfindenden Landtagsverhandlungen über die Verhältnisse der Israeliten, welche im übrigen ־wieder kein greifbares Resultat zeitigten, war neben anderen Verteidigern gekränkter Menschenrechte auch der Baron von Lerchenfeld, Führer des liberalen Flügels, in der nachmärzlichen Blütezeit des Jahres 1848 Mitglied des Ministeriums, mit einer eindrucksvollen Rede hervorgetreten, welche in dem Verzeichnis der Männer des freien Geistes ihm einen Ehrenplatz sichert2). Für dieses Eintreten zu Gunsten der Israeliten überreichte ihm der Gemeindeverstand von Bamberg eine Dankadresse, welche folgenden Wortlaut hatte: Bamberg, den 14. Juni 1846. Gnädiger Herr Freiherr, Königlicher Käminerer und Abgeordneter zur Ständeversammlung! »Für den Stummen den Mund aufthun und für das Recht aller :Söhne des Mißgeschicks, wie die heilige Schrift sich ausdrückt, ist eine Pflichterfüllung, die nur großen Seelen eigen, und die hinläng״ lieh ist, die Charaktergröße eines Mannes zu bezeichnen. Eine solche erhabene Pflichterfüllung legten Hochsie, edler Herr Baron, bei den Berathungen der hohen Ständeversammlung über die Beschwerden »und Bitten der Juden an den Tag. Den Juden selbst ist cs leider nicht vergönnt, ihre Stimme dort zu erheben und die Vertreter und Vertheidiger ihrer eigenen Sache zu sein. Hochsie waren es, der, angespornt vom Rechtsgefühle, es unter mehreren Gleichgesinnten ג) Vgl. meine wiederholt angeführte Schrift S. 70 ff. 2) Vgl. Verhandlungen der bayer. Abgeordnetenkammer 1816, md. XI, S. 148 ff.