Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 460 (sequence 9)
- Language
- German
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460 Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter 926 das Kitäb al-Tamjiz verfaßt hat, aber auch öfters Reisen nach den östlichen Ländern unternommen haben wird. Es läßt sich wohl mit einiger Sicherheit behaupten, daß auf •diesen ausgedehnten Reisen Saadja Kenntnis erhalten hat sowohl von den in Westasien noch aus dem vorigen Jahrhundert nachwirkenden Haeresieen, die zumTeil von den einen eigenen Weg gehenden Ketzern verbreitet wurden, als auch von Angriffen solcher Karäer, die in dogmatischer Beziehung über den Rabbinismus den Stab brechen wollten. Als das Heimatland solcher haeretischer Bestrebung galten von jeher Persien und das angrenzende Afghanistan, zumal wir wissen, daß auch Anan, bevor er als Prätendent um das Exilarchat auftrat, in ersterem Lande geweilt hatte. Von besonders schädlicher Wirkung hatten sich die Be- Strebungen eines unter dem Namen חיוי הכלבי bekannten, sehr kühnen Kritikers der Bibel erwiesen, als dessen riehtiger Name nunmehr H ajaweih aus Balch gilt1). Unter dem ganz besonderen Einfluß der gerade dort durch die Schriften der Magier und Anhänger der Lehre des Zara-־ thustra emporwuchernden Angriffe auf die Bibel einerseits, und andererseits infolge der damals auch in intelligenten islamitischen Kreisen stark herrschenden Kritik an den im Koran vorkommenden Widersprüchen, hat Hajaweih ein 200 Einwürfe gegen die heilige Schrift enthaltendes Werk verfaßt2). Es waren zu jener Zeit auch Juden mitunter Mäcene solcher »Freigeister«; so wird uns von einem Abu Isa ben Levi aus Ahräs berichtet, daß der bekannte islamitische Häretiker Ibn Al-Rawendi, dessen Werke auch noch später in jüdischen Kreisen benutzt waren, in dessen Hause seinen Studien lebte3). In einer solchen Umgebung lebte und wirkte 1) Den Nachweis hierfür erbringt Poznanski in seiner ebenso gründlichen, wie aufschlußreichen Abhandlung: חי־יי הבלכי im Magoren VII, S. 112 — 137, der wir hier auch fast durchgehends folgen; vgl. daselbst S. 113 und bes. Anm. 3. 2) Vgl. a. a. O. S. 128-131. 3) Vgl. a. a. O. S. 128—120.