Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Ketubbah bei den Samaritanern
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 450 (sequence 18)
- Language
- German
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450 Die Ketfübbah bei den Samaritanern. wird. Wir sehen, daß beiden Samaritanern es als Ehreigilt, ein fleißiger Beter zu sein, und da ich dem Gebete in Nablus beigewohnt habe, habe ich mich 1überzeugt, däß׳es wirklich als großes Verdienst angerechnet werden kann, wenn einer stundenlang mit lauter Stimme, Wie es bei ihnen gebräuchlich ist, beim'Gebete ausharrt; alle beten laut/ als ob siesich gegenseitig überschreien wollten, und alle nehmen gleichmäßigen Anteil am Gottesdienst, sogar bei den Hymnen und beim Vorlesen aus derThora. Bei den Hymnen teilen sie sich manchmal in zwei Gruppen, wovon die eine die Rechte, die andere die Linke heißt, und die erstere singt nur die Halbverse der Strophen zur Rechten, und die andere die Halbverse zur Linken; und bei dem Vorlesen aus der Thora lesen die Priester zusammen die ersten Verse der kleinen Lektionen, in die die Thora bei den Samaritanern eingeteilt ist, in einer bestimmten Kantilation, und die Gemeinde liest mit derselben Kantilation den Rest. Alle, einschließlich der Priester, lesen den Wochenabschnitt aus Hss. in Buchform, nicht aus der Rolle. Ich erwähne diese Details, weil unter den Ehrentiteln auch hervorgehoben wird, daß er ein Sänger, d. h. Poet und mit der Melodie Vertrauter sei, und daß er ein korrekter Leser der Schrift sei, also ungefähr ein ,פיטן חזן und בעל קורא ist. Ferner daß er mit dem spezif. Kalender der Samaritaner vertraut ist, daß er ein Ältester der Gemeinde, d. h.'nicht dem Alter nach, sondern der Stellung nach? entsprechend den זקנים der Bibel. Besonders interessant ist, daß er ein Rhetor, ein Kommentator der hl, Schrift und ein סמוך קחלה ist. Wie sich dieser Titel zu der im tannaitischen Zeitalter auftauchenden Semicha verhält, ist eine nicht unwichtige Frage. Ich habe den Titel hier übersetzt »eine Stütze der Gemeinde«, da als Parallele dazu der Titel »Archon« der Gemeinde erscheint. (Bei Gelegenheit sei bemerkt, daß dieses ursprünglich griechische Wort sich augenscheinlich m1r :im; Talmud jerusch, und in den paläst. ־'Midraschim erhalten zu haben scheint). Aber es ist nicht ausgeschlossen,