Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neueste exegetische Methoden
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829827-2829832-2890069--38011-2890103- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Neueste exegetische Methoden. 39> Die arithmetische Methode. In seinem großangelegten Buche »Der Pentateuch, exegetisch-kritische Forschungen«, wie in seiner Fort- Setzung »Die Abzählung in den Gesetzen der Bücher Leviticus und Numeri« sucht Dr. Jacob-Dortmund mit sehr großem Fleiße und sehr scharfer Kombinationsgabe den Nachweis zu erbringen, daß der ganze Pentateuch auf den einfachen paar Zahlen 7, 10, 12 und 30 aufgebaut sei, beziehungsweise daß sowohl alle genealogischen und chronologischen Angaben, als auch sämtliche Vorschriften über Feste, Opfer, Heiligtum usw. sich ausschließlich von diesen paar Zahlen leiten ließen. In der ganzen Chronologie der Bibel läßt Jacob die biblischen Verfasser, alle ihre Berichte auf die Zahl 480 12 Menschenalter, zuspitzen. 480 Jahre nach dem Turmbau zu Babel ließen sie die Stiftshütte und nach abermaligen 480 Jahren den Tempel entstehen, dessen Zerstörung auch nach 480 Jahren seines Bestehens erfolgt sein soll. Die Genealogieen, hauptsächlich die der Genesis, sollen fast ganz auf die Zahlen 10,12, 70 zugeschnitten sein. Da er nun diese Zahlenkonstruktionen durch den ganzen Pentateuch verfolgen zu können glaubt, so ergibt sich für ihn die einheitliche Abfassung des Pentateuchs, weshalb er die Variationen im Pentateuch nicht mit der Bibelkritik auf verschiedene Quellen im Texte, sondern auf abweichende Traditionen zurückführen möchte. Da nun Jacob in den pentateuchischen Darstellungen nur das Elaborat eines an Zahlensucht leidenden Skribenten sieht, dessen mathematische Kenntnisse, nach Jacob’s Ermessen, das Niveau eines Volksschülers nicht überschritten haben, und der das meist fingierte chronologische, genealogische und kultische Material lediglich zur Ausfüllung seiner Zahlenumrisse herbeigeholt haben soll, so kann er konsequenter Weise auch vor den religionsgeschichtlichen Ergebnissen seiner Betrachtung des Pentateuchs nicht zurückschrecken und. gesteht ganz offen ein, daß der geschichtliche Boden des