Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neueste exegetische Methoden
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 12)
- Language
- German
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396 Neueste exegetische Methoden. Pentateuchs vor seinen Augen völlig zusammenbreche. Denn wenn sich für ihn z. B. die Stiftshütte mit allen ihren Geräten, sowie ihren Cuitus- und Opferbestimmungen lediglich als eine Veranschaulichung arithmetischer Combinationen darstellt, so folgert er ganz regelrecht, daß dieses Heiligtum mit allem, was darum und daran hängt, nur in der Phantasie des Pentateuch-Verfassers existiert haben könne. Was nun Jacobs Methode an sich betrifft, so ist es psychologisch nur zu sehr begreiflich, daß schwere und mühsame Combinationen ihren Erfindern ganz in Fleisch und Blut übergehen und sie außer Stande setzen, die Dinge selber anders anzusehen, als sie sie von andern angeschaut wissen wollen. Der Fremde aber muß dieser Betrachtungsweise etwas objektiver gegenüberstehen. Denn vorerst wird er nicht übersehen, daß es in Wirklichkeit nicht dieselben 3—4 Zahlen sind, die in den betreffenden Partien immer wiederkehren, sondern sehr vielfache und ganz verschiedene Ziffern, die zu einer der genannten Zahlen in irgend einem mathematischen Verhältnis stehen. Wenn z. B. sämtliche wichtige Ereignisse einer Epoche mit einer der Zahlen 7, 10, 12, 30 auftreten würden, dann läge das Frappierende gerade in der Geringheit der immer wiederkehrenden Zahlen. Wenn aber die wirklichen Zahlen jener Epoche mit einer der genannten 4 Zahlen nur insofern im Zusammenhang stehen, als, daß sie mit letzterer Zahl multipliziert, oder von ihr subtrahiert, oder durch sie dividiert u. ä. werden kann, dann sind es doch njcht 4, sondern hunderte von Zahlen, welche hier in Betracht kommen. Außerdem stimmen die von Jakob nachgewiesenen Zahlen nicht immer ohne weiteres, oft muß etwas daran geflickt werden. Endlich sind diejenigen Partien, in deren Zahlen gar kein Rhytmus nachzuweisen ist, unvergleichlich häufiger als solche mit Zahlen, in die ein Rhytmus hineincombiniert werden kann. Dadurch aber fühlt man sich ver-