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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 4 · p. Seite 392

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 4
Article
Neueste exegetische Methoden
Date
1910-01-01
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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392 Neueste exegetische Methoden. die eben die Voraussetzungen einer geregelten astronomischen Berechnung sind, waren den Babyloniern nicht vor dem achten vorchr. Jahrhundert bekannt. Die Präzession (= Verschiebung) der Frühjahrssonne in der Ekliptik, die als das Schema des ganzen altbabylonischen astralmythologischen Weltbildes angesehen wird, sollen die Babylonier, nach Kugler, erst im zweiten vorchr. Jahrhundert erkannt haben1). Sollten sich diese Kuglerschen Behauptungen bewahrheiten, so wäre den astralmythologischen Anschauungen für immer der Boden entzogen. II. Die Gilgamesch-Monomanie. ln der ganzen Geschichte der Entwicklung der Wissenschäften hat die Menschheit noch nie über eine so entsetzliche Entartung wissenschaftlicher Kritik zu klagen gehabt, wie in unserer Gegenwart. Ein fast grauenhaftes Bild wissenschaftlicher Verwilderung bietet der Marburger Professor Jensen in seinem nicht weniger als 1030 Seiten starken Buche »Das Gilgameschepos in der Weltliteratur« in welchem er die ganze biblische Geschichte, sogar bis weit über das Exil hinaus in lauter Figuren der Gilgameschsage auflöst und so die ganze Bibel in ein Luftgebäude verwandelt. Während die Astralmythologen den biblischen Personen immer noch ihren historischen Charakter belassen, ist für Jensen die ganze biblische Geschichte von Abraham bis über Esra und Nehemia hinaus eine jedes historischen Hintergrundes bare, phantastische jüdische Reproduktion des babylonischen Gilgameschepos, sodaß wir, nach Jensen, noch nicht einmal wissen können, ob überhaupt in d er vor m ak ab äis eben Z eit ein jüdisches Volk existiert hat. Eine Partie aus Jensens Buch, die er selbst als die plausibelste bezeichnet, möge dem Leser zur *) Vrgl. »Sternkunde und Sterndienst in Babel* Band I 1937, Band II, Teil 1, 1909.

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