Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neueste exegetische Methoden
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
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Neueste exegetische Methoden. 391 sonders bei der Wiedergabe solcher Anschauungen, die uns als unhaltbar erscheinen, um den Vertretern jener Meinungen nicht Unrecht zu tun, gerade die ernste und wissenschaftliche Seite jener Doktrinen hervorzukehren. Deshalb haben wir auch die astralmythologische Methode nicht, wie das sonst häufig geschieht, lediglich durch einige lächerliehe Momente zu charakterisieren, sondern gemäß deren wissenschaftlicher Grundlage und religionsgeschichtlichen Voraussetzungen klarzulegen gesucht. Aus demselben Grunde werden wir es auch unterlassen, die astralmythologischen Spielereien im Detail zu widerlegen. Die Lächerlichkeit des ganzen Unternehmens liegt klar zu Tagg. Nur auf einige Grundirrtümer, die bereits in den Voraussetzungen dieser Methode enthalten sind, soll hier aufmerksam gemacht werden. Wenn nämlich die Geschichtsdarstellung der Bibel eine astrologische Grundlage besäße, dann müßte notwendigerweise die Astrologie sich doch auch sonst in der Bibel respektiert finden. Statt dessen aber wird sie daselbst aufs äußerste verdammt und verpönt. Noch merkwürdiger aber ist, daß die ganze elementare Grundlage dieser Methode, daß nämlich die alten Babylonier schon in allerfrühester Zeit in der Astrologie den Urquell ihres ganzen Wissens hätten, rein in der Luft schwebt Die diesbezüglichen Quellen sind ganz jungen Datums und können nur für die spätchaldäische alexandrinische Periode als vollgültiger Beweis gelten. Den gefährlichsten Gegner hat die Astralmythologje in dem Jesuitenpater Kugler bekommen, der als berühmter Astronom und Keilschriftenforscher und als die größte Autorität auf dem weiten Gebiete der babylonischen Sternkünde, das Vorhandensein einer Astrologie im alten Babylon ganz und gar in Abrede stellt, weil jenen Babyloniern nachweislich die hierzu erforderlichen astronofiuschen Kenntnisse vollständig gefehlt haben. Der metonische Schaltzyklus und die Vorausberechnungen der Sonnen- und Mondesfinsternisse,