Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 381 (sequence 9)
- Language
- German
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Besprechungen. 38t rüng nur als rabbinische Verordnung zu gelten habe. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn die Rabbinen diese Verordnung für die pentateuchischen Gebote erlassen haben, während sie es bei ihren eigenen Geboten bei der ursprünglichen Regel belassen haben -ספק דאורייתא מדדת לקולא.« Hier scheint aber der Verfasser übersehen zu haben, daß in Bezug auf טפיקא Nachmanides mitMaimonides übereinstimmt, daß מדדת לקולא. (Vergl. R. N. Kidduschin Ende Kap. I im Namen des Nachmanides1), Die Frage des Nachmanides ist eben, warum haben es die Rabbinen bei ihren eigenen Geboten bei der ursprünglichen Regel belassen, wenn auch sie pentateuchischen Charakter haben2).. 1) In allen uns vorliegenden Ausgaben heißt es so. Ebenso zitiert ,מדדרי״ט יו״ד סי, ב u. v. a. Ebenso zählt כ״מ פלט. מהי טומאת מת den״ רמב״ן zu den Anhängern des רמב״ם. Aber auch wenn der Verfasser im רמב״ם רין anstatt רטב״ן setzen sollte und es ihm gelänge nachzuweisen, daß רמב״ן im gegnerischen Lager stehe, ist die Distinktion* an sich, wie im Texte hervorgehoben wird, unhaltbar. 2) Gewiß ist die Einwendung des Nachm, unberechtigt, aber aus einem ganz anderen Grunde. Haben auch nach Maim. die Einrichtungen der Rabbinen pentateuchischen Charakter, so ist doch ein großer Unterschied zwischen ihnen und den im Pentateuch ausdrücklich erwähnten. Eine חתיכה ספק חלב ספק שומן ist wohl pentateuchisch, da ספיקא דאורייתא מה״ת לקולא, zu essen erlaubt, sie wird daher nicht deshalb aus einem אסור in einen התר verwandelt. Stellt sich her^fes, daß sie חלב gewesen ist, so muß derjenige, der sie gegessen, ein ׳חטאת bringen, weil er בשוגג ein Verbot, auf das כרת gesetzt ist, übertreten hat. Daher die Erschwerung der Rabbinen, damit aber nicht יבשוגג ein pentateuchisches Gebot verletze. Anders verhält es sich aber mit den rabbinischen Einrichtungen, die auf Grund von לא תסור pentateuchisch verboten sind. Wenn man bei ihnen das Zweifelhafte nicht־ verbietet, dann ist kein Schatten von לא תסור mehr vorhanden, auch wenn es sich nachher heraussteilen sollte, daß jemand dabei בשוגג, eine rabbinische Verordnung übertreten, da er dabei vollständig nach Vorschrift der Weisen gehandelt. Hat jemand ספק בשר עוף בחלב gegessen und stellt es sich nachher heraus, daß es tatsächlich בשר עוף בחלב gewesen ist, so hat er wohl irrtümlicherweise ein rabbinisches Verbot übertreten, aber nichts von לא תסור, da er dabei ganznach Vorschrift gehandelt hat. Mit dieser Distinktion ist nicht nur der Einwand von ספיקא דרבנן לקולא erledigt, sondern fast alle anderen Ein wände des Nachm, gegen diesen Punkt. Diese Distinktion behält ihre Giltigkeit auch nach denjenigen, die במיקא דאורייתא מדדת לחומרא behaupten.