Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
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380 Besprechungen. Endlich folgt zum Schlüsse ein Aufsatz von Rosenthal betitelt: ״Die Kritik des malmonidischen Buehes der Besetze“ durch Nachmanides S. 475—495. < Der Unterschied in der Geistesrichiung der genannten beiden Geisteshelden wird vom Verfasser treffend durch folgende Stellen aus ihren Werken gekennzeichnet. »Maimonides betrachtet es als ein Unglück, als einen bösen Stern seines Volkes, daß einer dem anderen ohne besondere Prüfung blindlings folgt... »Die Klage des Nachmanides hingegen wendet sich im Gegenteil gegen diejenigen seiner Zeit, die haufenweise als Klügler auftraten, um mit überlautem Geschrei durch Fragen und Einwände den hochragenden Weisheitsbau der Älteren einzustürzen« (494). Dieser Unterschied in der Geistesrichtung kommt eben im angeführten »Buche der Gesetze« zum Ausdrucke. Während Maimuni in diesem Buche den Verfasser der הלכות גדולות bekämpft, sucht Nachmanides in seiner Kritik ihn zu rechtfertigen. Nur will der Verfasser nicht auf alle Differenzen zwischen Maim. und Nachm, eingehen, er beabsichtigt nur die grundsätzlichen, für die Geistesrichtung beider charakteristischen hervorzuheben (477). Solcher prinzipiellen Differenzpunkte ergeben sich ihm vier: 1. Differenz, betreffend die Zahl 613. Während Maimuni den Ausspruch des R. Simlai, daß dem Moses am Sinai 613 Vorschriften gegeben wurden, als eine unumstößliche Überlieferung betrachtet, spricht Nachm, den Worten des R. Simlai den Charakter einer Überlieferung ab* »Er meint vielmehr, daß diese nur die persönliche Meinung des R. Simlai zum Ausdrucke bringen« (478).*) 24 Differenz, betreffend den Verpflichtungsgrund der rabbinisehen Bestimmungen. Während Maimonides die Befolgung der rabbinischen Bestimmungen auf Grund Deut. 17, 3 als pentateuchisch geboten erklärt, will Nachm, den pentateuchischen Charakter der rabb. Bestimmungen durchaus nicht gelten lassen. Unter den vielen Einwänden des Nachm, befindet sich auch der, daß man nicht hätte entscheiden können ספיקא דאורייתא לחומרא וספיקא דרבנן לקולא wenn auch die rabbinischen Bestimmungen pentateuchischen Charakters wären. Darauf antwortet der Verfasser »Nachm, hat damit von seinem Standpunkte recht; er hat aber den Standpunkt des Maimonides zu dieser Regel übersehen, daß diese Regel nicht pentateuchisch wäre und daß vielmehr vom pentateuchischen Standpunkte das Zweifelhafte stets nur erleichternd zu nehmen sei und die Erschwe- *) Hier scheint dem Verfasser entgangen zu sein, daß Nachm, nach seinem kühnen kritischen Anlauf klein beigibt ומפני התפשטות החשבון הזה שם ובכל מקום נאמר שהוא מסור בידם מפי משה בסיני.