Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 5)
- Language
- German
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368 Besprechungen. getaufte Juden sollten gänzlich an Beobachtung des mosaischen Ritus verhindert werden. Die westgotischen Gesetze des 7. Jahrhunderts sowohl, als die spanische Inquisition beruhten auf folgerichtiger Auslegung der christlichen Lehre. Die »Feindschaft der Juden gegen Christen« (5. 75 ff.) wird von den Kirchenvätern schlechthin vorausgesetzt und diente ihnen zur Rechtfertigung des eigenen Verhaltens. Sie war »damals bereits zu einer Legende geworden, die, entstanden aus geschichtlichen Vorgängen und religiösen Gegensätzen, von den Christen wie eine bare Münze in Umlauf gesetzt wurde«. Es ist aber auch keineswegs alles, was aus dem 4. Jahrhundert von Feindseligkeiten der Juden gegen Christen berichtet wird,’ aus der Luft gegriffen, wiewohl in den parteiischen Berichten gewiß starke Übertreibungen mitunterlaufen. Ein erbitterter Kampf vermag nicht Zuneigung zu erwecken. Wenn die Christen Synagogen zerstörten, so hielten sich die Juden gelegentlich an Kirchen schadlos. Hat »Ambrosius vor dem Kaiser die Juden als die schlimmsten Rebellen verdächtigt, so klagten wiederum die Juden bei dem Perserkönig einen christlichen Bischof des Hochverrats an, und es war ihnen wohl recht, daß die bekehrungseifrigen Mönche grausam verfolgt wurden. Was sich unter Kaiser Julian, »dem Abtrünnigen«, ereignete, mußte zur Verschärfung des Gegensatzes beitragen. Die von Lucas (S. 82 n. 1) gegebene Erklärung der Vorgänge beim Tempelbau erscheint einleuchtend. »Alle Kirchenväter machen den Juden aus ihrer Verbindung mit Julian den schwersten Vorwurf« (S 85). Nicht viel später »wurde gegen die Juden der Vorwurf erhoben, daß sie, um ihrer Feindschaft gegen die Christen Ausdruck zu geben, am Purimfeste einen Haman in effigie verbrennen« (S. 88); selbst das Märchen von der Kreuzigung eines Knaben ist damals schon aufgebracht (S. 89 n. 2), und also nicht erst im Mittelalter erfunden worden. Wie sich die Ereignisse verketteten, liegt klar genug zu Tage. Julian, der Anhänger hellenistischer Religionsphilosophie, hat die Christen »von den Stellungen, die seine beiden Vorgänger denselben am Hofe, im Staate und in der Armee verliehen hatten«, entfernt (Ranke, Weltgesch. 4. 1, 107). Durch christliche Kaiser wurden die Juden, wie alle anderen, die sich nicht zum Glauben der Kirche bekannten, von den Staatsämtern und dem Heere ausgeschlossen. Die Lehre vom »christlichen Staat« (S. 90 ff.), wie sie der Kirchenvater Augustinus aufstellte, ist unmittelbare und ausschließliche Ursache für die am Anfang des 5. Jahrhunderts durch die römische Gesetzgebung den Juden auferlegten Beschränkungen der bürgerlichen Rechtsfähigkeit, Es handelte sich dabei weder um Nationalitäts- oder gar