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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 3 · p. Seite 366

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 3
Article
[Ohne Titel]
Date
1910-01-01
Page
Seite 366 (sequence 3)
Language
German
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366 Besprechungen. :hervortraten. »Der christliche Glaube war im vierten Jahrhundert nahezu ausschließlich der Glaube an die Erlösung durch den mit Gott wesenseins seienden Gottmenschen« (S. 24). Wenn nach den Kirchenvätern *die Juden Jesus mit feindseligem Hasse verfolgen«, so kann es sich dabei nur um die *Christologie« handeln, die sie allerdings aufs lebhafteste bestritten; denn eine selbständige Überlieferung über Jesus besaßen die Juden nicht (S. 26); übrigens eine geradezu unbegreifliche Tatsache, von der jedoch nach historisch-kritischen Gesichtspunkten in der Polemik anscheinend kein Gebrauch gemacht wurde. Zu christlichen Sekten, wie den Arianern, Donatlsten und Coeiicoli, die in der Lösung des cliristologischen Problems von der Orthodoxie abwichen, unterhielten die Juden jeweils nähere Be- Ziehungen. Verschärfend trat zu dem dogmatischen Gegensatz der ethische hinzu. Das asketische Ideal der Kirchenväter stand in schärfstem Widerspruch zu der jüdischen Lebensfreude. Daraus erklären sich die schroffen Urteile über das weltliche Treiben der Juden, ihre Neigung zu gutem Essen und Trinken, Leidenschaft für Theater und Zirkus und dergleichen mehr. Auch die Bemerkungen über den ^Reichtum der Juden sind vom Standpunkt der weltverachtenden Asketen aufzufassen, denen alles Irdische als nichtig galt. Zudem ließ sich der Tadel gegen die Juden durch Stellen der prophetischen Literatur belegen, die nicht historisch gewürdigt wurden, sondern »zu Glaubenssätzen erhoben, von ewiger Gültigkeit erschienen*. Bei ־ihrem Bestreben, »jede fremde Menschennatur nach den Bedürfnissen des eigenen Gemütes umzuwandeln«, maßten die Kirchenväter geradezu im Judentum ein feindliches^Prinzip erblicken, und mit der christlichen;Propagandastieß eine jüdische zusammen. Was Lucas darüber (S. 40—75) .ausführt, gelangt auf verschiedenem Wege zu dem gleichen Ergebnis, wie ein Aufsatz von J. Levi, le proselyiisme juif, Revue des etudes Juives B. 50, 1905, S. 1 ff. u. B. 51, 1906, S. 1 ff. Wenn Harnack der Ansicht war, »daß die jüdische Propaganda unter den Griechen und Römern seit der Mitte des zweiten Jahrhunderts mehr und mehr auf-;gehört habe« (S. 48), so ist vielmehr ihr Fortbestehen weit über diesen Zeitpunkt hinab aus direkten Zeugnissen und Wahrscheinlich־• keitsgründen zu erschließen. Der Ausspruch, daß Abraham der ersie Proselyt gewesen ist, stammt aus dem 4. Jahrhundert (R. E. J. 51, 16); im 3. Jahrhundert wird die Zerstreuung Israels als eine Aussaat be-!rächtet, die an Proselyten eine hundertfältige Ernte trug (das. 22). Welches Alter dem Bruchstück einer jüdischen Bekehrungspredigt zukömmt, ist nicht angegeben (R. E. J. 50, 5 f.); zu vergleichen wäre ^etwa, was der russische Chronist Nestor jüdische Missionare zu dem?Großfürsten Wladimir reden läßt. Allerdings gab es eine dem Pro-

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