Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829827-2829831-2889919--37977-2890048- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Cicero 1× ep/1024888
OCR text
Besprechungen. 365 den Quellen hat Lucas »das Bild eines gewaltigen Ringens zwischen Christen und Juden« gewonnen. »Der Verlust sehr wichtiger Rechte, den die Juden am Ende zu beklagen haiten, ist die Folge entscheidender Niederlagen, die große Demütigung, welche die in der religiösen Revolution siegreiche Partei, durch heftigen Widerstand erbittert, der überwundenen auferlegt hat. Das ureigene Wesen der Juden hat damit nichts gemein.« Zu dieser Ansicht vom Verlauf der jüdischen Geschichte im 4. Jahrhundert ist Lucas auf folgendem Wege gelangte Kap. 1 behandelt die in Betracht kommenden Kirchenväter der Reihe nach, Kap. 2 legt systematisch »Motive und Verlauf des Kampfes« dar, Kap. 3 geht auf die Momente ein, welche »die Erhaltung des Judentums« bewirkten, und der Schluß faßt nochmals die Ergebnisse zusammen. Um die Bedeutung der Untersuchungen würdigen zu können, ist es nötig, den Verfasser auf seinen Wegen zu begleiten. Die Äußerungen der Kirchenväter lassen bei aller Überein- Stimmung in den Grundanschauungen Unterschiede nach Zeitumständen und individueller Gesinnung erkennen. Basilius, der Organisator des orientalischen Mönchstums, hatte es besonders auf Bekehrung der Juden abgesehen. Bei Athanasius, dem Urheber der orthodoxen Glaubenslehre, traten persönliche Motive in den Vordergrund; an den gegen ihn gerichteten Verfolgungen waren Juden irgendwie beteiligt. Daß er auf Hilarius von Poitiers Einfluß geübt habe, wird durch die (S, 7) angeführte Stelle aus Amulo nicht bewiesen. Chrysostomus, »der christliche Cicero«, hat »ein furchtbares Bild* von der Lasterhaftigkeit der Juden« entworfen und ihren »Reichtum« geschmäht. Hieronymus, der Bibelübersetzer, erlernte »im Interesse der Förderung christlicher Propaganda und der Abwehr der jüdischen Propaganda« die hebräische Sprache. Der entschiedenste Judenfeind, nicht nur in Worten, sondern vor allem in Taten, war Ambrosius von Mailand, der es speziell auf Zerstörung der Synagogen abgesehen, hatte. Dagegen gab Augustinus mehr in theoretischer Weise seine Meinungen kund, die freilich von allergrößter Tragweite waren. In seiner Lehre vom christlichen Staat bezeichnete er zuerst die Juden als Sklaven der Christen. Papst Innozenz III. hat nichts weiter getan,, als einen Gedanken des Augustinus wiederaufzunehmen, dessen Nutzanwendung die »Kammerknechtschaff« des späteren Mittelalters darstellt! Die unverkennbar bei sämtlichen Kirchenvätern zu Tage tretende Feindseligkeit gegen die Juden geht, wie Lucas in den ersten Abschnitten von Kap. 2 darlegt, ausschließlich auf religiöse Ursachen zurück, die in den dogmatischen und ethischen Gegensätzen wurzeltem und praktisch beim Aufeinanderstoßen der Ausbreitungstendenzen״