Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 364 (sequence 1)
- Language
- German
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I. Lucas. Beiiräge zur Geschichte der Juden Teil I. Zur Geschichte der Juden im vierten Jahrhundert. Berlin, Mayer und Müller. 1910. 134 S. 80. Das Bestehende als ein Gewordenes zu begreifen, ist die letzte und höchste Aufgabe aller historischen Forschung, Im Hinblick auf das große Endziel erscheinen Spezialuntersuchungen um so beachlenswerter, je mehr Bedeutung für den Gesamtverlauf der Entwicklung dem behandelten Gegenstände zukommt. »Kein Zeitraum der Vergangenheit hat einen so tiefen Einfluß auf die Geschichte der Juden bis in unsere Zeit ausgeübt, wie das vierte Jahrhundert,« sagt Lucas im Vorwort zu dem vorliegenden ersten Teil seiner Beiträge durchaus zutreffend. Was die Kirchenväter des 4. Jahrhunderts von der Stellung der Juden im christlichen Staat lehrten, hat die Gesetzgebung der römischen Kaiser bestimmt und ist maßgebend geblieben, bis in neuester Zeit andere Ansichten über Wesen und Aufgaben des Staats Geltung erlangten. Insofern als dieser letztere Prozeß keineswegs abgeschlossen erscheint, bemerkt Lucas wiederum mit Recht, daß die Überlieferungen des 4. Jahrhunderts »auch heute nicht völlig unwirksam« sind. Den Zusammenhang zwischen einer so entfernten Epoche und der Gegenwart deutet Lucas freilich nur an. Bei strenger Beschränkung auf das eigentliche Thema hat er dem verlockenden Anreiz, sich auf Abschweifungen einzulassen, zu widerstehen gewußt, so daß seine Erörterungen nirgends des rein quellenmäßigen Charakters entbehren. Der eigentliche Wert, der den »Beiträgen« zukommt, beruht nun darauf, daß Lucas der Mühe sich unterzogen hat, in der patristischen Literatur des 4. Jahrhunderts den Äußerungen der Kirchenväter über die Juden nachzugehen. Bisher war das nur in unzulänglicher Weise geschehen; von den angeführten Stellen sind viele noch kaum beachtet worden. Vielleicht hätte ein Zitatenverzeichnis am Schluß die Übersichtlichkeit erhöht. Ein wenig störend wirken die mehrfachen Verweisungen auf später zu erörterndes. Die benützten Nachdrucke älterer Editionen bei Migne, Patrologia Iaiina et graeca, waren wohl am leichtesten zugänglich. Jedenfalls liegt allein schon in der Herbeischaffung des Materials ein wesentliches Verdienst, denn nur die Werke und Worte der Zeitgenossen können »über die Motive der gegen die Juden gerichteten Maßnahmen Aufschluß geben«. Aus