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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 3 · p. Seite 322

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 3
Article
Das Entschuldigungsgedicht Gabirols an Samuel ha-Nagid
Date
1910-01-01
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
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322 Das Entschuldigungsgedicht Oabirols an Samuel ba-Nagid. Jahren namentlich durch den unermüdlichen Harkavy der Forschung zugänglich gemacht wurde, ein selbständiges Urteil zu bilden, ein altes Unrecht zu beseitigen und eine veraltete Anschauung zu korrigieren. »Man urteilte«, und das genügte den Darstellern der geschichtlichen Enwicklung der neuhebr. Poesie bis Sulzbach1), der im Jahre 1896 Harkavy’s Sammlung noch nicht zu kennen scheint, und den Biographen Samuel’s (mit Ausnahme von Harkavy) bis J. Broydö2), bei dem sich das »man sagte« zu »It became proverbial to say« weiter entwickelt hat. Und doch »urteilte man« nicht so. Es handelt sich um die Verallgemeinerung eines von Moses Ibn Esra in seiner Poetik3) angeführten Verses, der einem Gedichte Salomon Ibn Gabirols entnommen ist und folgendermaßen lautet: וצןתה ןמ1 סזלג ק*ףר א1 כמ1 ע!יךת עזטואל ה^הרצי Ist es nun schon an sich nicht angebracht, in Fragen der Ästhetik blindlings der Ansicht anderer zu folgen, in der Bewertung poetischer Schöpfungen auf das Urteil des eigenen Geschmackes zu verzichten und sich vom Geschmack anderer leiten zu lassen, so ist es durchaus unzulässig und unter keinem Umstande zu billigen, daß man aus einem aus dem Zusammenhänge gerissenen Verse, dessen Sinn und Bedeutung man nur ahnen, nicht aber als sicher und feststehend bezeichnen kann, Konsequenzen von größerer Tragweite ziehe. In unserem Falle aber hatte man Grund, doppelte Vorsicht walten zu lassen. Will man schon auf das selbständige Urteil verzichten und — weil das bequemer ist — die Ansicht anderer akzeptieren, dann durfte *) Die poetische Literatur (in Winter u. Wünsche, Die jüd. Lit., Bd. III) S. 108. 2) Jew. Encycl. Bd. XI, p. 25 b. 8) Steinschneider, Cat. Bodl., p. 2333; früher schon von Dukes, Ltbl. d. Or. 1850, S. 268 mitgeteilt; Schreiner, Le Kitab al-Mouhädara, p. 38.

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