Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Entschuldigungsgedicht Gabirols an Samuel ha-Nagid
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 321 (sequence 1)
- Language
- German
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Bas Entschaldipngsgedicht öabirols aa Samuel ha-Nagid. Von H. Brody. Das Urteil über Samuel ha-Nagid als Dichter ist zu einer Zeit entstanden, da von seinen Dichtungen nur ganz vereinzelte Splitter vorhanden waren, und es ist ein unangetastetes Dogma geblieben auch in unseren Tagen, da man sich längst gewöhnt hat, über die »Dogmen der Religion« ohne Gewissensbisse sich hinwegzusetzen. Nach Graetz^verfaßte der Nagid »Gebete nach Psalmenart mit voller Glaubensinnigkeit und Hingebung . . . Endlich stellte er eine Lebensphilosophie nach dem Muster des Predigers zusammen . . . das gelungenste seiner schriftstellerischen Werke, voll Erhabenheit und Beredtsamkeit«. Das sind sehr günstige Urteile über zwei Werke (»Ben-Tehillim« und »Ben-Koheleth«), von denen damals noch gar nichts und heute nur geringe Reste vorhanden sind, die für die Beurteilung nicht hinreichen. Nun folgt das Urteil über die Dichtungen Samuels im Allgemeinen: ». . . seine dichterischen Kompositionen, die weltlichen und geistlichen, sind schwunglos, schwerfällig und dunkel, gedankenreich, aber ohne schöne Form. Man urteilte schon vor Alters von ihnen: Kalt wie der Schnee des Herrnon oder wie die Lieder des Leviten Samuel«. Dieses »man urteilte« hat das Urteil über die Dichtungen des Nagid getrübt; durch dieses »man urteilte« glaubten sich auch die Nachfolger Graetzens der Pflicht enthoben, sich an der Hand des uns vorliegenden Verhältnismäßig umfangreichen Materials, das in den letzten vierzig *) Geschichte, VI8, S, 17 f. 21 Monatsschrift, 54. Jahrgang.