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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 3 · p. Seite 265

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 3
Article
Die Emanzipationsbewegung in Bamberg
Date
1910-01-01
Page
Seite 265 (sequence 9)
Language
German
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Die Emanzipationsbestrebungen in Bamberg. 26כ der Bitte um Ausarbeitung einer an den König zu riehtenden Vorstellung, welche »kurz und gemütlich« lauten sollte. Dr. Feust bemerkt in seinem Antwortschreiben : »Der Entwurf, den Sie mir eingesendet, ist dem Stile nach ein Werk Ihres verehrten H. Rabbiners; die darin enthaltene Auslegung des § 30 des Edikts würde auch dem scharfsinnigsten Juristen Ehre machen.« Daß dies Kompliment nicht unverdient war, ersieht man aus dem Entwurf, aus welchem wir folgende Sätze entnehmen : »Die Israeliten des Reiches sehnen sich mehr des moralischen als des materiellen Nutzens wegen nach Abhülfe ihrer Belästigungen; denn schwer gekränkt fühlen sie sich in ihrer Ehre durch die vielerlei Beschränkungen und Zurücksetzungen in Mitte eines freien, glücklichen Volkes. Die edlem Gefühle für das Treffliche, Gute und Schöne, die durch einen besseren Unterricht und durch bessere Er- Ziehung und Bildung seit einer Reihe von Jahren in ihnen erwachten, werden durch solche Ehrenkränkuugen gleichsam zuiückgedriingt und in ihrem Keime erstickt; eine längere Zögerung der Hülfe könnte daher nicht anders als sehr nachteilig wirken und das Gute, woran, schon lange von Seite der Regierung und der Regierten mit Fleiß gearbeitet wurde, wieder vernichten. Es dürfte der ausgezeichneten Weisheit E. K. M. nicht entgehen, daß die Erziehung und Heranbildung der Staatsbürger ihre Perioden wie bei dem Individuum hat. Wird der Knabe länger unter der Zuchtruthe, der Jüngling länger unter Bevormundung gehalten, als es gebührt, so werden sehr schädliehe Reaktionen daraus erfolgen. Das Knaben- und Jünglingsalter ist mm bei uns Israeliten in Bayern, hinsichtlich unseres Bürgerthumes, nach Zurücklegung eines Zeitraumes von 24 Jahren (seit 1813) durchlaufen. Es.dürfte nun Zeit sein, uns als Männer zu behandeln, auf daß wir die natürlichen Kräfte, womit uns der Schöpfer aller Wesen begabt, zu unserm und des Staates Nutzen selbständiger, besser und vollkommener auszubilden in den Stand gesetzt werden und wir nicht wieder in den früheren Schlummer verfallen«1). Am 1. November 1837 wurde der durch seine reaktionäre Gesinnung bekannt gewordene Minister Abel zur 0 Vgl. Der Kampf der Juden um ihre Em. in Bayern. S, 59-62.

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