Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Emanzipationsbewegung in Bamberg
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 10)
- Language
- German
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265 Die Emanzipationsbestrebungen in Bamberg. -Leitung der Staatsgeschäfte berufen und damit beginnt für die Israeliten Bayerns eine Periode der Hoffnungslosigkeit und Mutlosigkeit, eine Zeit des Duldens und Schweigens. Mehrere Verordnungen, die in den nächsten Jahren zur Einschränkung des Kandels der Israeliten erschienen, trugen den Stempel der Härte und der Unduldsamkeit1). Aus jener Zeit stammt folgende Anregung der Kultusverwaltung von Bamberg: An den Isr. Vereinsvorstand za Fürth. »Schon jetzt ist unsere Lage in Bayern, wie Ihnen wohlbekannt sein wird, drückend genug, und rnan darf sagen, daß der Druck in der neueren Zeit statt vermindert, vermehrt wurde. Allen Aussichten und Vermuthungen nach dürfte diese unsere Lage durch die Verhandlungen, die bey einer künftigen Ständeversammlung stattfinden, noch viel drückender werden, das Übel, das dadurch entstände, würde den nachteiligsten Einfluß auf ganz Deutschland ausüben und das alte Rischus könnte wohl wieder allgemein aus seinem Grabe hervorgerufen werden und neues Leben gewinnen. Wir sind es uns und unseren Kindern schuldig, Vorkehrungen zu treffen, eine Änderung unserer Lage zu unseren Gunsten mit der Hülfe Gottes zu bewirken. Allein es ist Ihnen und uns bekannt, daß wir jetzt kaum einen Mann in Bayern besitzen, dessen Einfluß mächtig genug wäre, unsere gerechten Ansprüche an den Staat durch ein kräftiges Wort zu unterstützen. Wenn Hülfe auf diese Weise geschafft werden soll, so kann diese nach unserer Ansicht (Gott zuvor) einzig und allein durch die weltberühmten einflußreichen Freiherrn von Rothschild ge» schehen2). Wir ersuchen Sie daher im Namen sämtlicher Gemeinden des Obermainkreises, diese unsere Angelegenheit diesen hochachtbaren Männern tief ans Herz zu legen, daß sie sich durch ein kräftiges Wort bei der kgl. Staatsregierung für unsere Sache gewogendst verwenden und der Stimmung, die, wie ans allem hervorgeht, nicht zu unseren Gunsten scheint, eine müdere Richtung verschaffen mögen. 1) Vgl. Achawa 1865, S. 131. 2) Auschel v. R. war Hofbankier des Königs von Bayern.