Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 15)
- Language
- German
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252 Besprechungen. aber im Sinne des Verfassers. Joel sagt sogar ausdrücklich (Beiträge 82), daß auch die theoretischen Gebote insofern praktisch genannt werden müssen, als sie. auch die Praxis betreffen. Was nun das erwähnte Einteilungsprinzip selbst betrifft, so ist es, trotzdem es, wie der Verfasser hervor hebt, von einer Autorität wie Frankel herstammt, unhaltbar. Schon die Tatsache, daß Maimuni weder in seiner Einleitung zum M. T. noch in der zum ספר הבוצית dieses Unterschiedes zwischen praktischer und theoretischer Halacha erwähnt, spricht gegen den Verfasser. Während M. den Unterschied zwischen Geboten gegen Gott und solchen gegen Menschen am Schlüsse der Einleitung zum M. T. ausdrücklich so hervorhebt, daß er als principium divisionis in die Augen springen muß, erwähnt er das zweite Einteilungsprinzip nirgends, sagt er vielmehr, daß er mit dem Codex ein Werk schaffen will, das die ganze Thora enthalten soll. Das ist ja deutlich genug. Das sagt uns, daß wohl das praktische Bedürfnis M. die erste Anregung zu seiner Arbeit gegeben haben mag, daß er sich aber, an die Arbeit herangelreten, bei der Anordnung des Stoffes von ganz, anderen Prinzipien hat leiten lassen als von dem äußeren Merkmale,, ob ein Gebot noch heute Geltung hat oder nicht. Noch mehr aber beweist gegen dieses Prinzip die Einteilung des M; T. selbst. Wäre wirklich Maimuni’s Absicht, »in erster Reihe die auch nach der Teinpelzerstörung noch geltende Halacha in ihren Endresultaten darzustellen« und wäre er wirklich bestrebt, die beiden Teile der Halacha »so viel als möglich auseinanderzuhalten« und hätte er wirklich »der praktischen Halacha den ersten Platz« einräumen wollen, dann wäre die Einteilung des M. T. eine andere, dann hätte er nicht das; talmudische Recht, das täglich im Gebrauche war, auf die letzten 4 Bücher verwiesen. Denn der Umstand, daß diese Gesetze Pflichten des Menschen gegen seine Mitmenschen betreffen, rechtfertigt noch nicht die Tatsache, sie hinter die 4 Bücher der theoretischen Halacha der I, Abteilüng 211 setzen. Vielmehr hätte Maimuni seine Einteilung so treffen müssen: zuerst die praktische Halacha der I. Abteilung, dann die praktische Halacha der II. Abteilung, dann wieder die theoretische Halacha der I. Abteilung und ihr folgend die theoretische Halacha der II. Abteilung; dadurch hätte er bekundet, daß er bei der Anordnung des Stoffes der Praxis den ersten Platz einräumt. Die Tatsache,, daß er im Codex dem talmudischen Rechte den letzten Platz anweist, beweist, daß er bei der Anordnung der einzelnen Glieder zwischen praktischer und theoretischer Halacha überhaupt nicht unterscheidet,.