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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 2 · p. Seite 245

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
Seite 245 (sequence 8)
Language
German
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Besprechungen. 245 deren Stelle die Selbstvervöllkommnung setzen; die Vervollkommnung zum sittlichen Selbst, zur ethischen Person, deren Richtschnur in Gott liegt. So sagt er im Jad ha-chasakah : »Der Gottesverehrer aus Liebe beschäftigt sich mit der Thorah und mit den Gesetzen und wandelt in den Pfaden der Weisheit nicht wegen einer irdischen Sache, noch aus Furcht vor Übel, und nicht um die Glückseligkeit zu erwerben, sondern er übt die Wahrheit, weil sie die Wahrheit ist... . und diese Stufe ist eine sehr hohe Stufe, und nicht jedem Weiseii ist sie zuteil geworden.« »Es ist wohl kein Zweifel, daß die mehr der Pietät für den eigenen Glauben als der Ironie der sachlichen Kritik entsprungene Anspielung »nicht jedem Weisen« auf Aristoteles geht« (122—123). Indem aber Maimuni die Eudämonie verwirft, sucht er auch die Quellen zu verstopfen, aus denen dem Eudämonismus seine Säfte zufließen. Es sind der Kosmopolitismus und der Sozialismus einerseits, das eschatologische Moment andererseits, welche die Eudämonie immer wieder neu beleben (124). Es ist die glückliche Zukunft, welche das Volk sich vorspiegelt, sei es als glückliches Seelenleben im Jenseits oder als goldenes Zeitalter im Diesseits. Nach Maimuni hingegen ist die Unsterblichkeit, als »ein ethisches Sein« »als eine etische Idee gedacht« (127). Die Unsterblichkeit ist mit dem ewigen Leben identisch und setzt eine sittliche Vervollkommnung voraus. Der Messianismus hingegen ist die Hoffnung auf eine Zeit des Fortschrittes und der Erleuchtung, in der die Möglichkeit der sittlichen Vervollkommnung allen Menschen gegeben sein wird. So ist die messianische Zeit vom ewigen Leben unterschieden und hängt doch mit ihm zusammen, weil sie die Voraussetzung für dasselbe bildet. In dieser »Entsinn״ lichting des Jenseits« und »Idealisierung des Diesseits in der messianisehen Zeit« ist kein Platz mehr für die Aristotelische Eudämonie. Wohl ist auch nach Maimuni das höchste Ziel die Eikenntnis, aber die Erkenntnis der Sittlichkeit, weil keine Sittlichkeit ohne deren Erkenntnis möglich ist und zwar gibt es keine Zuchtwahl für dieses höchste menschliche Ziel, wie bei Aristoteles. Bei Maimuni, der die anthropologische Theorie von der Gleichheit aller Menschen verteidigt, sind alie Menschen zur Gotteserkenntnis berufen. Und »wie alle Menschen zur Gotteserkenntnis berufen sind, diese aber die Erkenntnis überhaupt zur Vorbedingung hat, so müssen alle Menschen ohne Ausnähme zur Erkenntnis den ungehemmten Zugang finden. Darin liegt die Grundkraft der messianischen Idee« (131). Ebenso frei behandelt er die Auferstehung. »Sie ist ein Grundstein (יסוד), aber kein Glaubenssatz דוס), noch mit einem solchen zusammenhängend« (127). So durchbricht der Maimunische Geist die Dogmen einerseits, die Aristo־ feilsche Engherzigkeit anderseits und erhebt sich zum Ideale der

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