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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 2 · p. Seite 244

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
Seite 244 (sequence 7)
Language
German
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244 Besprechungen. besten den Abstand zwischen Maimuni und Aristoteles. Die Eudä־* mpnie ist ja die Seele der Aristotelischen Ethik, und Maimuni hat sie nicht nur abgelehnt, sondern noch durch einen anderen der Maimunischen Ethik entsprechenden Begriff ersetzt. Es ist der Begriff der Vervollkommnung, den Maimuni anstatt der Eudämonie setzt. Bei Aristoteles wird die Tugend mit Fertigkeit definiert. Dieses stimmt mit seiner Auffassung der Ethik als eines Gegenstandes der praktisehen Thätigkeit überein (110), In diesem Sinne ist auch die sachliche Definition der Tugend bei ihm gehalten, nämlich als das Mittlere zwischen zwei Extremen. Dieser »Polizeiweg der Tugend« paßt־ genau in die ethische Welt des Stagiriten, in der der Mensch die geistigen Flügel der Idee nicht gebrauchen darf, sondern auf den Krücken der Meinung sich bewegen muß. Maimuni hingegen, bei dem die Ethik, wie schon dargetan, Gegenstand der Erkenntnis ist, kann eine Tugend als bloße Fertigkeit nicht brauchen. Bei ihm ist die Tugend ein Ideal, dem sich der Mensch zu nähern, das er aber nie zu erreichen vermag; sie ist das Streben nach Vervollkommnung. Daher macht Maimmii dort, wo er cte* Mittelstraßentheorie des Aristoteles erwähnt, »sogleich die grundsätzliche Verwahrung: die ältesten Frommen haben ihre Gesinnung und ihren Charakter von dem Mittelwege abgelenkt, und das Prinzip innerhalb der Linie des Rechtes eingerichtet« (113). Es ist das Prinzip der Billigkeit, welches Maimuni dem Prinzip des Mittelweges zur Seite stellt, und indem er das erstere dem letzteren zur Seite stellt, beseitigt er das letztere, »läßt es allenfalls als ein pädagogisches, technisches Mittel gelten, aber nicht als ein Prinzip und Fundament« (114). In erster Reihe ist es die Demut, bei der Maimuni den Mittelweg verwirft. Sie ist die Quelle aller Ethik und »die jüdische Religion wäre nicht die Religion des Martyriums allen Versuchungen der irdisehen Welt gegenüber, wenn sie nicht die Religion der Demut wäre.« (das.) Daher läßt Maimuni bei ihr kein Rechnen und Messen zu. Selbst Gott wird im Talmud die Demut zugeschrieben. Selbstverständlich kann das nur in dem Sinne gemeint sein, dem Menschen als Vorbild zu dienen. Welchen Zweck kann es denn sonst haben Gott Demut zuzuschreiben? »Die Tugend der Demut soll den Mensehen lehren und dahin erziehen, daß er nicht in seiner natürlichen noch auch geschichtlichen Einzelheit sein Wesen suche, sondern allein in der Richtung seiner sittlichen Vervollkommung, das will sagen in der Richtung auf Gott« (117). Die Eudämonie des Aristoteles schließt die Handlung aus, sie ist die Glückseligkeit der reinen Theorie. Der MaimunischeQott hingegen ist der Gott der Sittlichkeit, also der Gott der Handlung. Daher muß Maimuni die Eudämonie verwerfen und an

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