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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 2 · p. Seite 243

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
Seite 243 (sequence 6)
Language
German
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Besprechungen. 243 hung. Wenn ich sage: »Gott ist weise«, so bezieht sich das auf das Wesen Gottes. Nun bildet( aber das Wesen Gottes nach Maimuni nicht das Problem der Erkenntnis, sondern seine Bedeutung als sittliches Vorbild. Auch kann dieses positive Attribut der Weisheit sehr leicht zu Bewußtsein, Leben, Wille und Affekt, also zu Privationeii führen, Sage ich hingegen : »Gott ist nicht unwissend«, so bedeutet das, da der Gott Maimunis im Gegensätze zu demjenigen des Aristoteles »nicht nur sich selber denken darf«, »sondern die Menschen denken muß, indem er sich selbst denkt« (96), daß ihm nichts mangelt, was nötig ist, um die Dinge in Weisheit zu leiten. »Damit aber gebe ich der Erkenntnis Gottes den vollen Inhalt«. Die Ablehnung der positiven Attribute führt Maimuni konsequenierweise dazu, aucli den Willen bei Gott abzulehnen oder ihn in Erkenntnis aufzuheben (97—99). Der Wille wird dem Intellekte gleichgesetzt. Und diese Einheit von Erkenntnis und Wille führt ihn auf den höchst wichtigen Gedanken der Identität von Erkenntnis und Liebe (104). Ist der Wille vom Affekte befreit und geht er in Erkenntnis auf, so wird man das, vwas man erkennt, auch wünschen und lieben. Daher führt die Erkenntnis Gottes zur Gottesliebe. Dadurch wird die Liebe versittlicht und vergeistigt. Aus der Gottesliebe entsteht die Menschenliebe, die Nächstenliebe. »Und die Menschenliebe strahlt zurück in die Gottesliebe; denn Gott ist das Vorbild des Menschen« (104). Diesen Gedanken hat Maimuni für seine ganze Theologie und Ethik fruchtbar gemacht, wodurch er der ewige Lehrer Israels ge* worden ist Während der Mensch durch die Gebote zur Ehrfurcht vor Gott erzogen wird, wird er durch die Erkenntnis Gottes zur Gottesliebe erzogen. *So bleibt das Zeremonialgesetz die Vorstufe des Gottesdienstes, welche die Gottesfurcht bildet; aber sie ist als Vorstufe von dem eigentlichen Gottesdienste, dem Gottesdienste der Erkenntnis und der Liebe, geschieden« (106). Diese Identität von Erkenntnis und Liebe führte Maimuni wieder auf eisen anderen, sehr wichtigen Gedanken, nämlich auf den Gedanken der Annäherung an Gott. »Das Gleichwerden mit Gott« des Griechentums, »die Vergottung« des Christentums werden im Juda׳־ ismus, der jede Verwaschung des Unterschiedes zwischen Geschöpf und Schöpfer als Blasphemie betrachtet, zur Annäherung an Gott Diese Annäherung kann selbstverständlich nur eine sittliche Mach״ eiferung, die sittliche Arbeit nach dem Vorbilde, bedeuten״ Und der Umstand, daß .Maimuai der Versuchung nicht unterlegen ist, in dieser sittlichen Nacheiferung Gottes die Glückseligkeit, die Eudämonie des Aristoteles, die ja auch nur in der allerdings gedanklichen Nacheile״ mng besteht, wiederzusehen, sondern sie einfach ablehnt, beweist au, 16*

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