Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen. 241 Wie verhält es sich nun bei Malmjuni? Ist er auch Aristotelischer Dualist? Sind bei ihm auch Natur und Sittlichkeit ohne jeden Zu- •sam menhang? Stimmt er wirklich mit Aristoteles überein, daß die Ethik nicht Sache der Erkenntnis sein könne? Darauf antwortet Cohen mit einem entschiedenen Nein! Doch muß zuvörderst eine Vorfrage erledigt werden. »Maimuni hat nicht nur innerhalb seiner Metaphysik in mehreren Schriften seine Ethik gelehrt, sondern nicht minder auch in seinem dogmatischen Hauptwerke der jüdischen Theologie. Verträgt sich nun aber die philosophische Ethik — und gibt es eine andere? — mit einer Sitteulehre, welche der religiösen Glaubenslehre angehört und ihr eingegliedert ist?« (74). Mit anderen Worten, kann eine Ethik, die göttlichen Ursprungs ist, — und das ist ja die Maimunische Ethik — noch philosophisch genannt werden? Verliert sie nicht dadurch, daß sie Gebot ist, so daß der Mensch in seinen Handlungen nicht mehr frei erscheint, den sittlichen Charakter? Mit nichten, antwortet Cohen. Denn mit eben demselben Rechte könnte man auch der Logik ihre Selbständigkeit und ihre Freiheit absprechen, weil Gott allwissend und die Quelle alles Wissens sei (77). Verlieren nun die Logik und das theoretische Denken nicht ihre Selbständigkeit, trotzdem sie ihre Quelle in der göttlichen Vernunft haben, warum soll es gerade der Sittlichkeit untersagt sein, sich als Himmelstochter zn legitimieren? »Das ist der Pantheismus im Monotheismus« (das.) »An der Einheit der Vernunft zwischen Gott und Mensch nimmt auch er (Maimuni) keinen Anstoß; auf ihr beruht seine Theorie der Prophetie. Mithin konnte er an der Selbständigkeit der menschlichen Vernunft nicht irre werden, wenn er die Sittlichkeit als Gottesdienst und als den einzigen Gottesdienst erklärte« (das.). Schon diese Antwort zeigt uns den Weg, den wir in der Auffassung der Maimunischen Ethik betreten müssen. Sollte die Ethik göttlichen Ursprungs sein und dennoch ihren sittlichen Chrakter behalten, so ist das nur dadurch möglich, daß sie Gegenstand der Erkenntnis ist. Die logischen und theoretischen Wahrheiten behalten ja nur dadurch ihre Selbständigkeit, daß sie vom Menschen eingesehen und erkannt werden. Ebenso muß es auch mit der Ethik sein. Nur die Erkenntnis unterscheidet die sittliche Betätigung von der Nachahmung. »Ich kann durchaus nicht als bloßer Nachahmer dem göttlichen Vorbilde folgen; nachahmen ist nicht erkennen« (90). Beweist schon das, daß Maimuni nicht zum einfachen Nachbeter des Aristoteles degradiert werden darf, der die Ethik nicht zu den Früchten des Baumes der Erkenntnis zählt, so sollte ihn noch mehr sein Gott, sein Judentum vor diesem Verdachte schützen. »Der Gott des Aristoteles in Ehren, aber der Gott ,Israels ist er nicht« (81). Das Wesen des Aristotelischen Gottes be- Monatsschrift, 54. Jahrgang.