Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 3)
- Language
- German
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240 Besprechungen. Gottheit zu nähern strebt, erst dann die wahre Vollkommenheit erreicht, wenn er, wie M. weiter bemerkt, der Gottheit in ihren Handlungen nachzuahmen, und Gnade, Gerechtigkeit und Wohlwollen auf Erden zu üben, sich bestrebt.« Cohen geht noch weiter. Nach Cohen fällt die Gotfeserkemitnis mit der Ethik zusammen. Nach Cohen ist die Gotteserkenntnis nicht etwa eine Erkenntnis »des Urhebers der Sphärenbewegung«, »sondern allein die seines ethischen Wesens« (105). Bevor er aber seine These beweist, sucht er den Unterschied zwischen Plato und Aristoteles auf eine klare Formel zu bringen. Bekanntlich sind nach Cohen die platonischen Ideen keine Dinge, die etwa außerhalb des Denkens und unabhängig von ihm existieren würden, sondern reine Satzungen des Denkens1), »Das Denken erschafft die Grundlagen des Seins, die Ideen sind diese Grundlagen, diese Grundlegungen«2). Die Idee ist die Hypothesis, die Voraussetzung, die bei jeder Untersuchung für jedes Problem als Vorbedingung aufzustellen ist. (366 ־.) Diese Hypothesis erstreckt ihre Herrschaft nicht nur auf das Gebiet der Mathematik und der mathematischen Naturwissenschaft, sondern auch auf das der Ethik. Auch das Gute ist eine Idee und somit eine Hvpothesis. Geradeso wie z. B, die Gleichheit in der Mathematik kein Nachbild der Wahrnehmung, sondern etwas Hinzugedachtes ist, so ist auch das Gute etwas vom Denken Geschaffenes. Dadurch wird die Ethik in den engsten Zusammenhang mit allen Zweigen der Erkenntnis gebracht, denn auch sia ist Idee, Hypothesis und geht in Erkenntnis auf. Das ist der Platonische Monismus, in dem Natur und Sittlichkeit sich verbinden, und zwar so, daß das Gute den Zweck des Seins und den Grund der Welt bedeute. »Während jede wissenschaftliche Hypothesis sonst eine andere zur Vorbedingung hat, so ist hier der Kreis geschlossen« (öS), Anders Aristoteles. Er, der die Idee nicht begreifen und fassen konnte und darum auch verhöhnte, degradierte die Ethik zur bloßen Politik. Der Zusammenhang zwischen Natur und Sittlichkeit ist ihm niemals aufgegangen und weil er den Zusammenhang dieser Probleme nicht begreift, darum bestreitet er der Ethik ihren Wert als Erkenntnis« (72), Daher konnte er auch nicht die Ethik zum Urgrund der Erkenntnis machen. Natur und Sittlichkeit sind bei ihm zwei heterogene Dinge, jene Gegenstand der Erkenntnis, diese Sache der bloßen Meinung. *) Cohen »Die platonische Ideenlehre psychologisch entwickelt« Zeitschrift f. Völkerpsychologie u. Sprachwissenschaft 4 Bd. (1866) S. 403 — 464. »Platos Ideenlehre tu die Mathematik« Rektorats- Programm 1879. Vergl* P. Natorp »Platos Ideenlehre« 1903. 2) Cohen »Logik der reinen Erkenntnis« S. 18.