Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 239 drücke zu beginnen, damit sie jeder verstehe. Anders verhält es sich mit den anderen zwei Teilen, die für Männer der Wissenschaft be» stimmt sind, um die Philosophie mit der Religion zu vereinigen. Hier ist eine wissenschaftliche, logisch gegliederte Auseinandersetzung am Platze. Auch stimmt es nicht, daß »eine der hauptsächlichsten Aufgaben des Werkes, die Beseitigung der spekulativen Einwürfe und Zweifel gegen die Religionslehren in der Einleitung zum I. Teile gar nicht berührt werde, so daß der Verfasser sich veranlaßt fühlt, im zweiten Teile in dem Zusatz zu cap. 2, welcher eine Art Einleitung zu den zwei letzteren Teilen bilden soll, auch diesen Punkt hervorzaheben«. Maimuni selbst weist ja im erwähnten Zusatz auf.seine Einleitung hin, wo er als Zweck dieses Buches die Beseitigung der Zweifel an der Wahrheit der Religionslehren angibt. Tatsächlich wird auch in der Einleitung zum I. Teile eine andeutungsweise Belehrung in Natur- Philosophie <מעשה בראשית) und Metaphysik (מעשה מרכבה) angekün״ digt, worunter selbstverständlich ihre Vereinigung mit den Lehren der Religion zu verstehen ist. Der Wichtigkeit des Gegenstandes halber hebt Maimonides am Anfänge des II. Teiles, wo diese Auseinandersetzung beginnt, dieses noch einmal hervor. S. 42 Zeile 7 von oben, wo der Verfasser die Maimunischen Gedanken über das Übel in der Welt wiedergibt, schreibt er wärtlieh : »Sie (die Propheten) meinen damit, daß die Materie, wenn wir ihr die Vorherrschaft einräumen, uns Gott, unserer höheren Natur und allen daraus fließenden Vorteilen entfremdet.« Die Worte »wenn wir ihr die Vorherrschaft einräumen« kommen bei Maimonides an der betreffenden Stelle, nämlich III, 9, nicht vor. Tatsächlich sagt er hier, daß der Körper unbedingt, auch im günstigsten Falle eine Scheidewand bildet, die uns hindert, eine ungetrübte Gotteserkenntnis zu erlangen. Höchst interessant ist die darauf folgende Arbeit »Ofiarakie״ risfik der Ethik Mairmmis« von Hermann Cohen. S, 63—134. Cohen, der Bewunderer Platos und Interpret Kants, sucht hier mit vielem Scharfsinn im Gegensätze zur allgemeinen Auffassung nachzuweisen, daß der Maimunische Intellektualismus nicht Aristotelismus »sondern vielmehr echter, wahrer, ewiger Platonismus sei.« (S. 132). Schon Scheyer hebt in seiner Übersetzung des Moreh (S. 446, Anm. 15) den Unterschied. hervor, der zwischen Aristoteles und Maimonides besteht, in Bezug auf das Verhältnis der Ethik zum höchsten Lebenszweck. Während bei Aristoteles die Ethik außer jedem Zusammenhang mit dem höchsten Lebenszwecke steht, ist sie bei Maimonides im höchsten Lebenszwecke eingeschlossen, »indem der Weise, der nach erlangter metaphysischer Gotteserkenntnis sich der