Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 237 der Traditionsliteratur und selbst des Sohar, der ebenfalls mitunter zur Illustration oder zur Begründung der Gedanken des Verfassers herangezogen wird; verrät sich in dieser fast überreichen Verwendüng des noch immer nicht veralteten Materials der alten Darschanim. Und dieser Vorzug der Derascha wird keineswegs wettgemacht durch deren häufige Nachteile: durch Vergewaltigung des Textsinnes, durch eine zügellose Exegese, die man sich dort schon dem Bibelworte, geschweige der Agada gegenüber leisten zu dürfen meinte, eine übertriebene und daher unerträgliche Allegoristik, Gewimdenheii und daraus entstehende Unklarheit des Gedaukenganges u. dgl. m.: übrigens sämtlich weit verbreitete Fehler, die in vielen neueren Predigten, die aber der Vorzüge der alten Deraschoth entbehren, ebenfalls häufig sich finden«, Unsere Sammlung dagegen hält sich, soweit ich sehe, gänzlich frei von diesen Mängeln einer willkürlichen Interpretation und verschrobenen Hermeneutik, indem nur dasjenige und nur soviel in das Bibel- oder Agadawort 11 ineingelegt, beziehungsweise daraus hergeleitet wird, als bei logischer Folgerung und einer nüchternen, edoch nicht ganz phantasielosen Denkungsweise sich wie von selbst ergibt und erträglich erscheint Daß der Stoff in P e r 1 s״ Predigten bald in herkömmlicher Weise in mehrere Teile gegliedert, bald in fortlaufender Rede vorgetragen wird, bedeutet nur eine den Genuß der Lektüre steigernde, erwünschte Abwechslung. Die reichliche Benutzung und Ausdeutung der Midrasch-Eiemente aber verleiht den vorliegenden Predigten nicht bloß schon äußerlich ein ausgesprochen jüdisches Gepräge, sondern versetzt auch den Innern Gehalt derselben mit dem reinen, ungetrübten Öl des jüdischen Geistes, so daß bei all dem Neuen und Modernen, das diese Reden an Vorstellungen und Ideen, in Stoff und Struktur der Gedanken in reichem Maße enthalten, sie uns dennoch als wahrhaft jüdische gottesdienstliche Vorträge erscheinen. Alles, was hier geredet wird, ist unter den Gesichtswinkel der Lehre des Judentums gestellt: Menschen und Tatsachen, Erinnerungen und Erwartungen, Erlebnisse und Zukunftsideale werden im Lichte der Thora besehen, auf ihren Gehalt geprüft und danach bewertet. Und dies nicht bloß in den Festpredigten, welche den mittleren Teil des Bandes ausfüllen, sondern auch in den ihrem Gegenstände nach sehr abwechslucgsreichen Gelegcnhcits- und Grabreden, welche die Sammlung eröffnen, beziehungsweise abschließeu. Wie der tiefe Gehalt an philosophischen Ideen, an zu religiössittlicher Nutzanwendung herbeigeschafftem reichen Wissensstoff manmchfaltiger Art den Predigten P e r I s״ objektiv einen hohen Wert verleiht, braucht nicht besonders betont zu werden. Trotzdem können