Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
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Beirtäge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter. 191;können — dies alles läßt uns einen Vergleich der Tätigketi dieses Geisteshelden mit der Befreiung Israels aus dem ^einst die Vorväter einengenden Mizrajim nicht allzukühn erscheinen. Nachdem nun in den letzten Jahren durch neuere Veröffentlichungen aus Bibliotheken, besonders aber aus der Genisa, viel neues und wertvolles Material für das letzte Jahrhundert des Gaonats, nicht zum mindesten auch für Saadjas Wirken und seine Schriften, hinzugekommen ist, soll hier ein erneuter Versuch gemacht werden, das nun über den großen Gaon Bekannte zu einem, seine Täiigkeit in besonders scharfer Form erkennen lassenden Gesamtbilde zusammenzufassen, ohne daß freilich dasselbe in allen Einzelheiten einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, da wohl noch manches Bemerkenswerte im Verlauf der Zeiten zu Tage gefördert werden dürfte. Saadja wurde, wie die Überlieferung angibt, im Jahre 892 in der Nähe von Fayüm in Oberägypten geboren. Ägypten hatte im ganzen Verlauf des Frühmittelalters keine nennenswerte Bedeutung für die jüdische Wissenschaft Es machten sich dort, wohl infolge der politischen Verhältnisse, Einflüsse von Babylonien, speziell Bagdad, als dem Sitz des Khalifats, geltend; indessen hat aber auch das benachbarte Falästina in geistiger Beziehung auf Ägypten gewirkt. Ein ־direktes Zeugnis hierfür bietet uns ein vor kurzer Zeit aus der Genisa veröffentlichtes Fragment eines Dokumentes aus dem 8. Jahrhundert über Fostät bei Kairo1), wo von einem aus Bagdad stammenden Gemeindepräses und zwei verschiedenen, dem babylonischen und palästinensischen Ritus huldigenden Synagogen, die jedenfalls durch je eine Gemeinde repräsentiert wurden, die Rede ist. Von Palästina her mag nach Ägypten die Anregung zur Abfassung von Pijutim gekommen sein, wie sie die im Papyrus Rainer ג) Vgl. Abrahams': An eight Century Genizah document in JQR. XVII, S, 426 1gg.? besonders S. 428.