Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
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90ך Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaoänischen Zeitalter. dasjenige, was einst dessen alleiniges Vorrecht gewesen war, die Festsetzung des Kalenders, für dasselbe in Anspruch nahm, zugleich durch eine willkürliche Änderung hierbei einen Riß im Judentum heryorrufend. Da sandte die Vorsehung in -Saadja b. Joseph einen Mann, der, wie kein anderer, vdie Fähigkeit besaß, die Lästerer des überlieferten Judentums zum Schweigen zu bringen, den Irrlehren entgegenzutreten, aber auch all die geistige Kraft des rabbinischen Judentums, die unter den bisherigen Gaonen gewissermassen nur latent gewirkt hatte, in einer schier überwältigen״ den Weise zur Entfaltung zu bringen, so daß von ihm an recht eigentlich die Wissenschaft des Judentums zu datieren ist. *Giebt es doch kein einziges Gebiet innerhalb derselben, dem Saadja nicht seine Pflege zugewendet hätte, wie es in demselben Maße schwerlich einer nach ihm geleistet hat. Fast könnte ■die jüdische Wissenschaft auf ihn das Wort anwenden, das von dem ersten Gesetzeslehrer unseres Volkes gilt: בכל ביתי נאמן הוא". Und dieser Wiedererv/ecker der in dem Judentum schlummernden geistigen Kräfte, er ist seinem Volke in Ägypten entstanden, in demselben Lande, von dem aus dieses einst seine Laufbahn genommen hatte, um der Welt *die Lehre zu bringen, und zwar in der unmittelbaren Nähe des biblischen Pithom, der Stätte, die vordem die Vereh- Ter des »lebendigen Gottes« in harter Frohnarbeit für die ״Hauptmacht der Geistesknechtung geschaut hatte. Alle diese äußeren Momente, in Verbindung mit dem, was Saadja seinen Glaubensgenossen bedeutet: wie er für die Ehrenrettung des Judentums eingetreten ist, die Pfade für eine immer mehr sich vervollkommnende, sowohl der Tradition als der rationellen Auffassung Rechnung tragende Bibelerklärung gewiesen hat, die Gesetzeskunde im Einzelnen dargestellt, die Grammatik und Wortforschung angebaut und.vollends ein noch heute bewundernswertes Geiäude des Lehrinhaltes des Judentums aufgeführt hat, in dem Glauben und wahre Geistesfreiheit miteinander weilen