Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Ketubbah bei den Samaritanern
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829827-2829830-2889763--37771-2889827- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Ketubbah bei den Samaritanern. 177 ihnen »Mehtaf Adebi'a« oder »Mehtaf A’aten« oder »Mehtaf Azebuk« heißt. Die hebräische Form dafür lautet: מכתב הדביקה מכתב החתן ,טפתב הזבח;; das erste ist abgeleitet von ודבק באשתו Genesis 2, v. 24 das zweite die samaritanische Ausspräche für ha-Chatan und das dritte die samaritanische Form für das späthebräische Siwwug. (Es wird sich nachher herausstellen, daß die Samaritaner häufig ein hebräisches »w« wie »b« aussprechen. Sie lesen »Lebi« für »Levi« und »’Aba« für »Chawa«.) Ich fragte den Priester, ob sie eine bestimmte Form für einen solchen »Mehtaf» haben, und als er meine Frage bejahte, bat ich ihn, mir eine solche Abschrift zu besorgen. Kurz darauf brachte er mir eine Abschrift, jetzt meinen cod. 871. Ich las den Text sorgfältig mit ihm durch, ließ mir alle schwierigen Stellen erklären und transscribierte den Text nach seinem Diktieren. Bei meinem Aufenthalte in Nablus im April des Jahres 1907 gelang es mir, die älteste Ketubbah, die sich bei ihnen erhalten hat, zu erwerben und zu gleicher Zeit noch zwei andere, von welchen jede einzelne einen Beitrag zur Geschichte der samaritanischen Ketubbah liefert. Außerdem ließ ich mir von dem Schammasch der Kinscha ein allgemeines Formular der samaritanischen Ketubbah abschreiben, und, da ich erfahren hatte, daß sie auch den Scheidebrief kennen, eine genaue Abschrift desselben. Da die Anzahl der Männer seit vielen Jahren die der Frauen übersteigt, so wurde versichert, daß seit Menschengedenken von den Samaritanern kein Scheidebrief geschrieben worden sei. Bevor ich nun auf den Inhalt dieser Ketubboth (oder wie sie sagen: Mehtafin) eingehe, will ich erst die äußere Form beschreiben, und zwar beginne ich mit der ältesten Ketubbah. Alle Ketubboth sind Einblätter, von denen nur die eine Seite beschrieben ist, genau wie unsere offizielle Ketubbah, und der Text selbst bedeckt nicht den ganzen Raum. Unten bleibt ein ganzer Teil leer; an der rechten Seite ist ein breiter Rand, und der Text der Ketubbah fängt auch Monatsschrift, 64. Jahrgang. 12