Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 28)
- Language
- German
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156 Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion. Schichten die Vorgänge bei den Erdbeben jener Gegend ablesen können und bestimmt wissen, daß ein solches mindestens einmal stattgefunden haben muß; da wir ferner aus der Lage der Gesteinssorten und der Schwefelthermen jener Gegend wissen, daß hier die gleichen Ereignisse sich abgespielt haben müssen, wie in anderen Küstengegenden des Mittelmeeres, wo wir dieselben Zeugen der Ereignisse aus alter und junger Zeit besitzen' und die katastrophalen Vorgänge selbst noch erlebt haben. Psychologisch verständlich mag diese instinktive Ablehnung sein, da sie einer natürlich rationellen Deutung der Ereignisse förderlich ist; aber solche opportunistischen Rücksichten dürfen nicht die wahre Sachlage trüben. Es bleibt dem Einzelnen überlassen, in dem vulkanischen Ausbruch oder dem Erdbeben ein zum menschlichen Tun außer Beziehung stehen־״ des natürliches Ereignis oder eine von Gott gesandte Strafe zu erblicken. An der Tatsache des echten Erdbebens« aber ist nicht zu rütteln. Jenes instinktive Mißtrauen wird oft noch dadurch genährt, daß derartige Ereignisse״ manchmal als Wunder, d. h. den uns bekannten Naturgesetzen zuwiderlaufend, betrachtet werden, während in Wirklichkeit ihr Ablauf garnichts Abnormes aufweist,., wenigstens für den, der solche in der Natur oft genug wiederkehrende Vorgänge auf Grund der allgemein gültigen Naturgesetze in ihren Einzelheiten zu begreifen vermag. Selbstverständlich gilt das ebenso für das orthodoxe Judentum wie für das orthodoxe Christentum. In dem Buch von W. von Keppler, Bischof von Rottenburg, »Wanderfahrten und Wallfahrten im Orient«, dessen neue 6. Auflage mir vorliegt, finden sich auch derartige krampfhafte Versuche, der Geologie zum Trotz die biblischen Ereignisse als etwas besonderes, gewissermaßen außerhalb der sonstigen Naturereignisse stehendes darzustellen. So wird z. B., wo von dem Toten Meer die Rede ist, Ursache und Wirkung verwechselt, und der hohe Salzgehalt des Meeres