Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 25)
- Language
- German
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Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion. 153 Gegenüberstellung des strafenden und milden Gottes bei den alten Propheten unerklärlich, und es wäre dann auch nicht einzusehen, weshalb jenes Prinzip der furchtbaren Strenge von Fall zu Fall immer wieder auf einen erkennbaren und gerechten Grund zurückgeführt wird. Wo Gressmann (Seite 80) auf die Kehrseite der göttlichen Wut zu sprechen kommt, behandelt er diese Seite wie etwas Nebensächliches, nahezu Bedeutungsloses : »Wir dürfen die freundliehen Charakterzüge Jahves keinesfalls übersehen« [und. nun erscheint er als Gott der Fruchtbarkeit u. s. w.] — »wir wollen nicht übersehen« — »wir wollen nicht gering schätzen.« Wer von jenen Stellen ausginge, an denen der Gott Israels als ein Gott der Milde und Gnade geschildert wird, könnte mit gleichem Recht die Schilderung der furchtbaren Strafgerichte mit den Worten einleiten : wir wollen nicht übersehen .. . Man muß fragen : Wie vertragen sich, selbst die wenigen Züge der Milde, die Gressmann schildert, damit, daß die Gottheit n u r in dem verderblichen Ostwind webt, oder daß sein Zorn »vor allem dem Feinde«: galt, d. h. zuweilen auch ohne Grund an Nicht-Feinden; ausgelassen wurde. Ganz und gar übersieht Gressmann* 4 das geschichtliche Milieu, aus dem heraus diese Schilderungen geboren sind. Wir wiederholen, daß dem Autor der Vorwurf zu. machen ist, daß sein »grausamer, unbarmherziger, vernichtender Gott« in einem verzerrten Bilde erscheint, weil׳ immer nur die eine Seite seines Charakters dargestellt wird. Man könnte übrigens zur Entschuldigung des Autors hervorheben, daß er, wie aus den einleitenden Worten hervorgeht,, sich nur die Aufgabe gestellt hat, einzelne Züge des Volksglaubens zu fixieren, durch die wir eine markantere und lebendigere Auffassung der altisraelitischen Volksfrömmigkeit zu gewinnen hoffen. Aber auch in seinem größeren Buche werden die gleichen Anschauungen geäußert,, obwohl es ihm dort, unabhängig von den Landesbräuchen der