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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 2 · p. Seite 152

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 2
Article
Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion
Date
1910-01-01
Page
Seite 152 (sequence 24)
Language
German
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152 Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion. büchern stammen, deren Reden nach den ganzen Zeitumstän״ den kaum etwas anderes als Straf- und Warnungsreden sein konnten. Es waren furchtbare und politisch gefahrvolle Zeiten, in denen die Propheten mahnend, warnend und drohend aufstanden und dem Volke als Folge seines sündigen Wandels die unvermeidliche Strafe vor Augen führten; in ruhigen, gerechten, stillen Zeiten wären ja diese Propheten nahezu überflüssig gewesen. So konnte also in diesen Büchern fortdauernd von Strafgerichten die Rede sein, und so muß denn auch der Herr fortwährend als der strafende Richter der Völker erscheinen. Darum mußte es auch den Anschein haben, als ob der grausige Ostwind das Element sei, »in dem die Gottheit webt«, während doch die Situation, aus der heraus die Reden entstanden sind, andere Bilder kaum zulassen. Richtiger wäre es wohl, staunend anzuerkennen, daß in diesen prophetischen Reden trotz des sündhaften Milieus neben der Mahnung und der Schilderung des bevorstehenden Strafgerichts die Milde und Gnade, die dem reuigen Sünder zuteil wird, einen so breiten Raum einnimmt. Wie ganz anders erscheint derselbe Gott dort, wo keine Veranlassung zu Drohung und Bestrafung voriiegt, wo die Schrift nicht aus einer fürchterlich drohenden Situation heraus spricht, sondern wo sich die Betrachtung auf das Leben im allgemeinen, auf das Sein und Werden und auf das Handeln des Menschen erstreckt. In diesen Büchern, vornehmlich in den Psalmen, verschwindet der vorherrsehende Zug grausamer Strenge, verschwindet immer mehr Beben und Pest, und fast allenthalben herrscht Milde, Versöhnung und Schönheit. Wenn nun diese milden Züge als dem Gott später verliehen dargestellt werden, weil diejenigen Theophanieen, bei denen der Gott Israels nicht mit einer bestimmten. Gruppe von Naturerscheinungen, sondern mit der ganzen. Welt in Zusammenhang gebracht wird, sich erst in späteren prophetischen und poetischen Büchern finden, so bleibt die:

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