Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 2 · p. Seite 151

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 2
Article
Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion
Date
1910-01-01
Page
Seite 151 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829827-2829830-2889761--37743-2889801
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion. 151 und Beben, vor allerh aber nichts von irgend welchen verheerenden Folgen solcher Ereignisse. Nun meint freilich Gressmann, daß JHV zwar als der alleinige Gott gelte, aber zunächst nicht als Gott der ganzen Welt, sondern in erster Linie nur einzelner besonders entsetzlicher Naturereignisse, weil sich in ihnen die göttliche Macht am greifbarsten offenbart. Wir müssen demgegenüber aber auf all die Stellen Hinweisen, an denen auf die grausigen Schilderungen die Verkündigung des Heils und der Gnade folgt. Dessen ist sich Gressmann natürlich selbst bewußt, und so giebt er denn auch zu: »Gewiß hatte die Gottheit daneben auch gute Seiten. Der fromme Israelit hoffte trotz alledem auf ihre Hilfe und vertraute auf ihren Schutz. Der Zorn JHV’s galt vor allem seinen Feinden, aber dieser Zorn war entsetzlich«. Dann schildert er den Volksgott als einen jugendlieh feurigen Gott, der von ganzer Seele liebt und von ganzer Seele haßt —, ein Abbild der scharfen Gegensätze im Landschaftsbild Palästinas mit seinen scharfen Übergängen von Schönheit und strenger Starrheit, seiner scharfen Absetzung von Licht und Schatten. Wie vorher gegen das Wörtchen »nur«, so müssen wir hier uns wieder gegen den Zusatz »vor alle m« wenden. Dieses einschränkende Wortchen ist durchaus unzulässig. Es ist gerade die Hauptfrage, ob die Herbeiführung alles Unheils ausschließlich als Betätigung gerechter Strenge oder auch zeitweise als ein Ausbruch dämonischer Laune aufzufassen ist, d. h. ob der Zorn vor allem, oder ob er überhaupt nur den Feinden und Frevlern galt. Die angezogenen Zitate aber beweisen, daß Strenge und Haß ausschließlich die Frevler traf, sei es das eigene oder ein fremdes Volk. Wenn nun Gressmann die fürchterliche Strenge so stark hervorkehrt, daß sie nahezu zum einzigen Attribut, sicher aber zum Hauptcharakteristikum der Gottheit gestempelt wird, demgegenüber alle Milde verschwindend gering erscheint, so sei der Autor daran erinnert, daß seine meisten Zitate aus den Propheten-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.