Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 21)
- Language
- German
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Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion. 149 fläche emporragt, sei es Turm oder Wimpel. Der Laie, der dieses populäre Buch liest und diese Zitate nicht aus ihrem Zusammenhang beurteilt, muß in diesem Gott einen tollen, rasenden Dämon sehen, der auf die Menschen losgelassen ist. Aber der Zusammenhang zeigt, daß hier die Strafe für Israel geschildert wird, dessen Land »voll von Götzen« ist. »Wegen dieser Missetat, heißt es, vergiebst du ihnen nicht« — und nun folgt die Vernichtung durch Erdbeben; »und die Götzen — so heißt es während der Schilderung des Bebens — ganz und gar schwinden sie.« ln dem größeren Werke meint freilich Gressmann, daß diese an sich eschatologische Stelle erst in späterer Zeit im Sinne eines Kampfes gegen die Götzen gedeutet v/orden sei. Es bleibt aber merkwürdig, warum nicht auch sonst diese Raserei aus Laune oder Trotz in der altisraelitischen Litteratur zum Ausdruck kommt, sondern warum immer eine einleuchtende Begründung beigefügt wird. Nun finden sich allerdings einige Stellen, an denen Erdbeben und vulkanische Erscheinungen geschildert werden, ohne daß das Ereignis aus dem Zusammenhänge des Textes als Strafe für ein sündiges Verhalten aufzufassen wäre. Da wäre zunächst das Beben, das mehrfach im Zusammenhänge mit der Offenbarung oder dem Durchzug durch das Schilfmeer geschildert wird. Derartige Schilderungen aberfinden sich nicht nur bei der von Gressmann herangezogenen Darstellung der Theophanie am Sinai, sondern auch an anderen Stellen, die auf jene Offenbarung anspielen, so im Deborahlied (Rieht. 5,4), Psalm 68,9, sowie Psalm 114 (Als Israel auszog aus Ägypten...), wo ja eine klassische Schilderung eines Erdbebens gegeben wird. Aber abgesehen selbst von der abschreckenden Wirkung auf die Feinde Israels, müssen doch diese Naturereignisse zwar nicht als strafende, aber als furchterregende Mittel, als Zeichen der Macht und Majestät aufgefaßt werden. Da sie nicht Strafmittel darstellen, so wirken sie auch nicht