Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 19)
- Language
- German
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Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Rel.gion. 147 aus dem Geiste der prophetischen Reden ohnedies verstehen), daß der Westwind nicht minder göttlich sei als der Ostwind Es werden von Gressmann eine weitere Anzahl Stellen zitiert, die dasselbe Bild der Vernichtung für die Endzeit voraussehen, wenn einst der Weltlauf ein Ende mit Schrecken nimmt. Ich enthalte mich als Laie einer Erörterung der Frage, ob man wirklich berechtigt ist, alle jene Stellen in eschatologischem Sinne aufzufassen, besonders jene, bei denen sich Bilder von bevorstehenden politischen Ereignissen mit den Weltvernichtungsbildern vermengen, oder jene, bei denen Zion bestehen bleibt und seine Paläste und die Tierwelt. Ich muß gestehen, daß die hierauf bezügliche Ausführung Gressmanns in seinem großen Buche zu einem Teil überzeugend wirkt. Aber nicht ist zu vergessen, daß auch an jenen Stellen, die im »Erdgeruch« als Zeugen für die spezifische Göttlichkeit des Ostwinds ohne Gegengewicht herangezogen werden, die Vernichtung, mag sie in baldiger Bestrafung oder im Weltuntergang bestehen, erst als der Ausfluß wohlbegründeten Zornes, als die Folge sündiger Taten hingestellt wird. Meist wird sogar die Begründung im einzelnen gegeben: bald trifft das Volk oder die Welt die Strafe für Götzendienst, Meineid, Mord, Diebstahl und Ehebruch, bald die Völker die Strafe für die Feindschaft gegen das Gottesvolk. Es handelt sich also um ein wohlbegründetes Vorgehen, nicht um die Betätigung einer spezifischen schrecklichen Eigenart, nicht um einen Widerspruch zur Liebe und Gnade, die an anderen Stellen in ebenso treffenden Bildern voll palästinensischen Erdgeruchs geschildert werden. Auch bei den eschatologischen Zitaten passiert es immer wieder, daß beiderlei Eigenschaften Gottes absichtlieh einander gegenübergestellt werden. So beginnt Jes. c. 51 mit wahren Jubeihymnen auf Gottes gnadenvolles Wirken, dann folgt die Schilderung des Strafgerichts gegen die Völker und Feinde Zions, und nun ihre Vernichtung durch 10*