Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 18)
- Language
- German
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!45 Palästinas £rdgeruch in der israelitischen Religion. Nur-Theorie gerade dem Buche Hiob Argumente zu entlehnen, weil es sich hier um eine Diskussion handelt, um einen religionsphiiqsophischen Disput, bei dem sich für jede der beiden Meinungen, sogar für eine entgegengesetzte Nur- Theorie, beweisende Zitate beibringen lassen. Was will G ress mann mit 9, 16 beweisen? Die Stelle trieft von Pessimismus — selbst wenn Gott ihm Antwort gäbe, er würde doch nicht glauben, daß er ihn erhöre, vielmehr im Sturmwind würde er ihn zermalmen —, und warum sollte gerade diese Stelle einen Grundgedanken der israelitischen Religion enthalten, und warum nicht ebensosehr jene andere Stelle, in der Zophar Hiob mit dem Vorwurfe antwortet, daß er mit solchen Worten »spotte ungescheut«? ln Zophars Worten wird der Gott nicht als ein Rasender im Sturmwind gezeichnet. Denn wenn du ohne Makel bist, geschieht dir nichts, »du hast nichts zu befürchten, du vergissest des Mühsais und den hellen Mittag überstrahlt dein Leben ... es ist Hoffnung da . . . und sicher ist dein Lager«. Hier verdorrender Ostwind, dort freundliches Idyll. Wenn Gressmann den Vers 38 als maßgebende israelitische Auffassung citiert, so muß ihm Vers 37 gegenübergestellt werden. Denn nach der letzteren Vorstellung ist Hiobs und Gressmanns Auffassung einseitig, da sie das eine Extrem betont und das andere unterdrückt, ln Wirklichkeit aber giebt Gott bald »Geißel« bald »Gnade«, bald »Strafe« bald »Überfluß«, bald »Verhängnis« bald »Licht«. So sehen wir überall, daß er nach der Vorstellung der Propheten idyllischen Frieden verbreitet, wo es angängig ist, aber grausame Vernichtung, wo es berechtigt ist, und da tatsächlich die religiösen Vorstellungen und Bilder Erdgeruch atmen, so werden beide Eigenschaften in Bildern ausgedrückt, die klimatischen Landesereignissen entlehnt sind. Nur ist nicht zu verlangen, daß die Gnadenwaltung im Bilde einer geruhigen Spazierfahrt auf dem Westwind geschildert werde, nur zu dem Zwecke, damit wir wissen (was wir