Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 17)
- Language
- German
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Palästinas Erdgerucb in der israelitischen Religion. 145 fiaupt möglich wird. Freilich, wenn der Herr zur Vernich* tung der Frevler einheifährt, so kann nur der Ostwind im Bilde als das Vehikel gedacht sein, auf dem er dahinstürmt, Und wenn dieses letztere Bild »bezeichnend« ist, so ist es das erstere nicht minder. Es wäre Sophisterei, dagegen geltend zu machen, daß der Ostwind tatsächlich als göttlich gelte, weil Gott in ihm einherfährt, so daß er »der Wind des Herrn« genannt wird (קדים תה ה׳ [Hos. 13, 15] oder allgemeiner סערת ה׳ [Jer. 23,19]), während der Tau und der Spätregen nur Sinnbilder des göttlichen Waltens sind, nicht spezifische Attribute des Gottes. Zunächst muß ich gestehen, daß mir für derlei Unterscheidungen jedes Verständnis fehlt. Dann aber ist mir zweifelhaft, ob es ein geschmackvolleres und schöneres Bild ergäbe, wenn der Gott, der als Tröster und Glücks- Spender gefeiert wird, auf dem milden Westwind reitend dargestellt würde, als wenn er selbst mit dem milden Tau verglichen wird, der sich niederschlägt auf die dürstende Pflanze. Das Bild des Reitens und Einherfahrens ist eben nur brauchbar für den zornigen Kriegshelden und Vernichter, 4er mit grausigem Sturmesgebrause dazwischenfährt, um die sündige Brut zu züchtigen. Das Bild des Vehikels, das für die Kriegsgfahrt angewandt ist, versagt in der Gnadenallegorie. Ich übergehe die sämtlichen übrigen Zitate, denn bei -allen läßt sich aus dem Zusammenhang beweisen, daß die im Bilde des Ostwinds dargestellte Vernichtungswut stets als Folge des berechtigten Zornes auftritt. Wo er im Ostwind einher fährt, da gilt es den Kampf gegen Frevler, sei es gegen das sündige Israel, sei es gegen Fremde (Damaskus, Edom, die Söhne Moab, Ninive u. a.). An einzelnen Stellen (Jes. 40, 66. Zach. 9), wo das Bild des Sturmwindes angewendet wird, ist wieder dem zürnenden Gott der idyllische Friedensstifter, Tröster und Behüter gegenübergestellt. 3Nur die beiden Hiobzitate bedürfen besonderer Einrede. Es ist schon an sich eine mißliche Sache, für jene .Monatsschrift, 54. Jahrgang. 10