Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 12)
- Language
- German
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140 Palästinas Erdgernch in der israelitischen Religion. :gewaltigem Einfluß auf die Gestaltung der religiösen Vor- Stellungen waren. Jeder Laie kann mit Leichtigkeit nachweisen, daß diese an sich sehr geschickt durchgeführte Darstellung im höchsten Grade einseitig ist, indem oft die eine Seite der Sache über Gebühr betont, die andere fast konsequent vernachlässigt wird, so daß im allgemeinen ein falsches Licht auf die vorliegende Frage fällt. Dadurch wird mancher Vorzug, den wir an den israelitischen religiösen Vorstellungen schätzen, verdunkelt. Wenn nun diese Methode schon in einem gelehrten Buche bedenklich ist, obgleich der Fachmann nicht Gefahr läuft, sich hierdurch beeinflussen zu lassen, so wird sie in einem populären Buche zu einer Gefahr, da der Durchschnittsleser sich aus dieser einseitigen Darstellung ein abgerundetes Bild von dem "Wesen der israelitischen Religion zu formen bestrebt sein wird. Es läßt sich leicht zeigen, daß die trüben Vorsteilungen, die Greßmann an Stelle unserer altgewohnten Ideen setzt, ihre Begründung darin finden, daß all das Furchtbare im göttlichen Wesen, das Greßmann an einem Punkte sammelt, der Ergänzung durch das entgegengesetzte Extrem ־ermangelt, mit anderen Worten, daß die Zusammenhänge an den zitierten Stellen vernachlässigt werden. Der Ostwind oder Schirokko ist der unheilvollste Wind Palästinas, dessen versengende Glut die Saaten vernicbtet und Mensch und Tier an seiner Gesundheit schädigt; der milde Westwind dagegen, der täglich vom Meere her weht, ist wegen seiner erfrischenden Milde eine wahre Wohltat für die Bewohner des Landes. Und nun heißt es S. 54: »Und das ist nun für die israelitische Naturreligion und für Jahve sehr bezeichnend, daß nicht der angenehme und Segen bringende Westwind, sondern vielmehr der entsetzliche und verderbliche Ostwind als göttlich gilt. Der Schirokko — und nur er — wird »der Wind Jahves« genannt oder »der Odem Jahves«, der aus seiner Nase weht. Wenn Jahve »im Wetter des Sturmes erscheint«,