Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
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- Joshua 1× ep/1005472
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134 Palästinas Erdgeruch in der israelitischen Religion. Der Brauch, menschliche Bauopfer darzubringen, der für die Urzeiten vieler Völker, auch der Kanaaniter, erwiesen ist, soll nun auch in israelitischer Zeit weit verbreitet gewesen sein. Der Beweis ist mangelhaft. Es wird auf die Stelle I. Kön. 16, 34 verwiesen, nach der Chiel von Bethel zu Achabs Zeiten die Stadt Jericho׳ wieder aufgebaut habe. Nun übersetzt Greßman: »Ueber seinem Erstgeborenen Abiram legte er den Grund, und über seinem Jüngsten Segub setzte er die Thore ein«, nach dem Worte Gottes, wie es weiter heißt, das er durch* Josua, den Sohn Nuns, geredet hatte. Dort bei Josua aber heißt es: »Verflucht sei der Mann, der Jericho wieder aufbaut; mit seinem Erstgeborenen lege er ihren Grund, und mit seinem Jüngsten setze er die Thore ein«! Greßmann sieht hierin eine Erwähnung von Bauopfern, wie sie für 1500, ja nach Macalister noch für 800 durch Ausgrabungen׳ in Palästina erwiesen seien. Wir wollen vorausschicken, daß der einfache Wortsinn jener Stelle der folgende ist: dem Wiedererbauer Jerichos wird mit dem Fluche gedroht, daß ihm zu Beginn des Baues der Erstgeborene sterben würde, im Laufe des Baues vielleicht die übrigen Söhne und der Jüngste beim Einsetzen der Thore. Wenn wir diese Frage untersuchen, so handelt es sich hierbei um rein historische Feststellungen. Die leidenschaftliehe Ablehnung dieses Punktes von seiten eines orthodoxen Kritikers ist völlig unberechtigt, wenngleich sie psychologisch erklärlich ist; muß doch dieses populäre Buch, das dann mindestens die Fortentwickelung der Religion auf eine höhere* Stufe deutlich hätte zum Ausdruck bringen müssen, dem< ungeschulten Leser eine klägliche Vorstellung vom israelitischen Kultus beibringen. An sich wäre aber natürlich das Vorkommen von Bauopfern in Israel keineswegs undenkbar. Trieben doch selbst die Könige oft einen wüstem Götzendienst, bauten sie doch dem Baal und der Astarte Höhenaltäre. Auch Menschenopfer, von den Heiden über-