Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- An Götzen vorbei
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 748 (sequence 2)
- Language
- German
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748 Notizen. hineintritt, macht nicht einen Umweg von ein paar Schritten, sondern vermeidet den Weg durch eine ganze Straße. Darum gleich nebenan (j. ib.): Vier Lehrer gingen auf dem Platze (oder auf der Straße) von Sepphoris, da kamen sie (הגיעו) zum Säulengang (hier hebräisch כיפה), und es trennte sich R. Kohen von ihnen; als sie zum reinen Orte gelangten הגיעס), kam er zu ihnen zurück (וחור אצלן). Es ist doch da jedenfalls von einer größeren Trennung die Rede. In j. Sanh, 7, foL 25 d Z. 62 heißt es in einem anderen Falle: »Ich promenierte גמטייל הויסס in den Säulengängen (גנאילין נופתא. I. בניפתא ניפתא) von Sepphoris.« Da lernen wir wieder diese Baulichkeit kennen und sowohl der Ausdruck »promenieren«, als der Plural belehren uns, daß es sich um eine längere Strecke handelt. Wir können annehmen, daß auch כפתה j. Berach 6 a ein Plural ist. Es sind Einrichtungen der hellenistischen Städte, wie ich es in dem Aufsätze in JQR. ausgeführt habe. Wer kann sich aber einen griechischen Säulengang ohne Statuen, Stand-, und Götzenbilder denken? Auch wenn es nicht gesagt ist, Ist das der einzige Grund, weshalb sich einige Lehrer sträubten, die Passage in diesen Säulengängen zu nehmen. Das trifft übrigens zu, auch wenn es ein bloßer Bogen wäre, denn auch dieser wäre mit Standbildern geschmückt. Sepphoris war damals bereits die hellenistische Stadt Diocaesarea, und Caesarea war längst hellenistisch. Mancher Lehrer mochte nun Bedenken tragen, den Ort der Standbilder zu passieren, nicht weil man »unter dem Bogen ein Grab gewußt oder befürchtet« hat (Aptowitzer), sondern weil daselbst sicherlich ein Götzenbild oder Götzenbilder standen, und zwar in einem אהל standen, was an und für sich Quelle der Unreinheit ist, wozu aber auch noch leicht das Motiv von תקרובת hinzugedacht werden kann, da man dort gewiß auch opferte. Der Ausdruck עבור in j. Berach. stimmt überdies mit לא יעבור in Mi§na A. s. überein. Wenn nun in j. A. s. 3, 43 b Z. 70 f. in drei konkreten Fällen dennoch gesagt wird, עבור קומי וסמי עיניה »gehe an ihm (an dem Götzenbild) vorbei und stich ihm die Augen aus (wörtlich: mache es blind)«, so ist in dieser Redensart allerdings, wie Aptowitzer will, nichts als Geringschätzung ausgedrückt, aber von Seiten der Erlaubenden, die etwa diese Art Unreinheit nicht anerkennen, wogegen die Skrupulösen auch hier von dem Begriff der Unreinheit ausgehen mochten, schon aus Analogie mit den übrigen Fällen, und auch darum, weil, wie Büchler (der gal. Am ha־Arez S. 82, A. 1) ausführt, der Hinweis auf Nachum, dem hochheiligen Mann, den Gedanken nahelegt. Büchler ist nun der Ansicht, daß diese reinheitliche Observanz sich nur auf Männer priesterlichen Geschlechts bezöge, während ich vor zwei Dezennien eine derartige Observanz auch für Laien an-