Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Reichssteuern der deutschen Judengemeinden von ihren Anfängen bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 692 (sequence 14)
- Language
- German
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692 Die Reichssteuern der deutschen Judengemeinden von von einem Vertrage in eigentlichem Sinne wohl kaum die Rede sein, wenn man bedenkt, wie sehr doch damals die Juden dem jeweiligen Herrscher auf Gnade und Ungnade ausgeliefert waren. Es wird auch hierbei ohne Druck und Gewalt sicherlich nicht abgegangen sein. Man muß daher »convencio« und ähnliche Bezeichnungen als bedeutungslose urkundliche Phrasen ansehen. In der Regel dürfte der Steuersatz für eine bestimmte Zeit festgelegt worden sein1); er konnte jedoch noch vor Ablauf dieser Zeit eine Erhöhung erfahren, wenn sich die Vermögenslage der Gemeinde gebessert hatte2). Diese Be- Stimmung war geeignet, der Willkür Tür und Tor zu öffnen denn die Notwendigkeit einer Steuererhöhung konnte stets mit dem Hinweis darauf begründet werden, daß das Vermögen der Gemeinde gewachsen sei. Und das mag wohl auch nicht selten geschehen sein, worüber wir allerdings urkundliche Überlieferungen nicht haben. Auch die Bewegung der jüdischen Bevölkerung kommt für ihre Steuerkraft naturgemäß in Betracht. Daher fassen sibl (sc. rnarito tuo) indulsisse fatemur, se amplius non extendit, quam ad illud, quod, quidquid bono et convenienti modo ab ipsis salvis ipsorutn libertatibus potuisset habere, de nostra procederet bona voluniate«; Bodmann, Cod. epistolaris Rudolii S. 153, — Dem lat. »convenire« entspricht das deutsche »sich verrichten«, wie es in einer die Frankfurter Juden betreffenden Urkunde Ludwigs d. B. (BÖhmer-Lau, Frankfurter U.-B. II nr. 415) vorkommt, und das hebräische פשר, das in der zeitgenössischen Responsenlitteratur öfter erscheint, z. B. פשרו עם השר (RGA. d. Mei’r v. Rothenburg ed. Prag nr, 134). ף B., Reg. Ludw. nr. 547. 1277. 1338. 2) Oefele, Rer. Boic. scriptores I, 775: ». . . und [in] denselben dreien jaren so sullen si (die Nürnberger Juden) alle jare furbaz dienen mit vier hundert pfund hall er, und swenn auch die burger zu Nurenberg von dem rat daewchte, daz sie sich gelezzet (= erholt; siehe Lexer, Mhd, Handwörterbuch s. v* lezzen) hetten, daz si mer gedienen mochten, des sullen si gehorsam sein nach der selben burger rat«. Ebenso sollen die Regensburger Juden unter Ludwig d. B. nicht mehr als 200 Pfd. Pf, jährlich entrichten, »es sei denn, daß sie sich an Hab: