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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 6 · p. Seite 655

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 6
Article
Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk
Date
1909-01-01
Page
Seite 655 (sequence 15)
Language
German
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Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk‘ 655 rfige Schöpfer Gott ist, die Gottesmänner nur die Werkzeuge; in wenigen Jahrhunderten hat Gott einen nach dem andern geschickt, daß er das Haus Gottes in der Welt baue, jeder hat seine gleichwichtige, gleichhochstehende Aufgabe; einer legte den Grund, die andern haben auf dem Grunde gebaut. Dies bedingt auch den Unterschied zwisehen Moses und Muhammed. So hoch die JHW-Gemeinde von ihrem Stifter dachte, Verehrung hat sie ihm nie erwiesen, und so gewaltig die Kraft Mosis war, Verehrung hat er nie gewollt«.Im Christentum ist Jesus der Nerv der Religion. »Moses dagegen, nachdem er seine Mission erfüllt hatte, ist zurückgetreten und eine rein menschliehe Gestalt geblieben. Das Werk Moses aber hat fortgedauert. Der Grundzug der mosaischen Stiftung ist stets wirksam gewesen, unter allen Zeitverhältnissen und auf allen Stufen der israelitischen Religion. Weder die Einbürgerung in Kanaan, noch die Vernichtung des selbständigen Staatswesens, noch die Zerstreuung in die weite Welt, noch das Aufkommen des Christentums änderte ihn oder verdrängte ihn. Wenn wir den Propheten, den Psalmisten, den Schriftgelehrten, den heutigen Juden nebeneinander stellen, so finden wir, es sind verschiedene Typen der gleichen religiösen Grundanschauung und Grundstimmung, dergleichen Lebenskraft und Lebensführung. Sie stehen alle in dem Strome drin, den wir mit Moses beginnen sehen in dem Strome der unbedingten sittlichen Hingabe an den einen Gott.« »Wir stellen den Glaubenssatz voraus, daß Moses von Gott vorbereitet und ergriffen wurde.Es muß uns genügen, anzunehmen, daß Gott in die betreffende Personlichkeit an religöser Erkenntnis hineinlegte, was eben für die Menschheit notwendig war, und daß Gott durch allerlei äußere und innere Antriebe den erwählten Diener zum Auftreten zwang. Klar ist auch, daß bei einem Religionsstifter das eigene religiöse Erlebnis die wichtigste Grundlage ist.

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